Faire Umsetzung des Bahnhof-Alkoholverbots angemahnt
Berlin (epd).

Die in der Obdachlosenhilfe tätige Berliner Stadtmission hat Verständnis für das von der Deutschen Bahn angekündigte Alkoholverbot an Bahnhöfen geäußert. Klare Regeln seien „immer gut“, die Bahn wolle „ihre Mitarbeitenden und Reisende schützen“, sagte Stadtmissions-Sprecherin Barbara Breuer am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zugleich sei es „wichtig, dass diese Regeln für alle Menschen gleichermaßen gelten“, betonte Breuer. Es dürfe nicht bei „feiernden Jugendlichen“ oder „euphorischen Fußballfans“ ein Auge zugedrückt werden, während „bei obdachlos anmutenden Menschen hart durchgegriffen wird“.

Bahnhöfe als wichtige Orte für Obdachlose

Breuer wies darauf hin, dass Bahnhöfe wichtige Orte für Obdachlose darstellen. Viele obdachlose Menschen seien suchtmittelabhängig, sie bräuchten geschützte Räume. Der Bahnhof sei bislang einer der wenigen Orte, wo sie sich aufhalten dürfen: „Das ändert sich jetzt gerade. Die Frage ist: Wo dürfen sie sein?“ Die Stadtmission fordere mit weiteren sozialen Trägern vom Land Berlin mehr gut erreichbare Tagesaufenthalte für obdachlose Menschen.

An den Berliner Bahnhöfen Zoo und Ostbahnhof ist der Alkoholkonsum bereits seit Mai untersagt. An beiden Orten gebe es bisher keine Berichte von Gästen der Stadtmission, dass sie vermehrt weggeschickt würden. Auch gebe es viele obdachlose Menschen, „die sich vor stark alkoholisierten und aggressiven Menschen fürchten und dieses Verbot begrüßen“.

Die Deutsche Bahn hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass sie bundesweit schrittweise bis zum 15. Oktober das Trinken von Alkohol an allen Bahnhöfen verbieten will.