Auch die Ehefrau und vier Kinder des mit Ebola infizierten US-amerikanischen Arztes sollen in Berlin auf der Sonderisolierstation der Berliner Charité behandelt werden. Die US-Behörden hätten ein entsprechendes Hilfeersuchen gestellt, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Die Familienangehörigen hätten sich ebenso wie der Arzt in der Demokratischen Republik Kongo aufgehalten. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass dort und im benachbarten Uganda erneut das Ebola-Virus ausgebrochen ist.
Der 39-jährige Arzt war in der Nacht auf Mittwoch am Flughafen Berlin-Brandenburg gelandet und wurde mit einem Spezial-Rettungswagen in die Charité gebracht. Er soll gemeinsam mit seiner 38-jährigen Frau in Bunia in der östlichen Provinz Ituri für die US-amerikanische, christlich-missionarische Organisation „Serge“ tätig gewesen sein. Die Organisation schrieb am Mittwoch, dass auch die Frau dem Virus ausgesetzt gewesen sein könnte. Noch ist allerdings nur der 39-Jährige positiv getestet und zeigt Symptome.
Die US-Bürger seien aufgrund der Erfahrung Deutschlands im Umgang mit Ebola und der kürzeren Flugzeit in die Bundesrepublik gebracht worden, hieß es.
WHO fürchtet steigende Fallzahlen
Der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, befürchtete am Mittwoch einen Anstieg der Fallzahlen im Ostkongo und in anderen Ländern. Das Virus breite sich auch in städtischen Gebieten aus. Aus Sicht der Hilfsorganisation „International Rescue Committee“ sind die internationalen Kürzungen in der Entwicklungshilfe für das Infektionsgeschehen mitverantwortlich.
Tedros sprach von fast 600 Verdachtsfällen und 139 mutmaßlich an Ebola gestorbenen Menschen. Es seien auch Todesfälle unter dem medizinischen Personal gemeldet worden.
Ärzte ohne Grenzen mobilisiert afrikaweit
Der Ebola-Experte von „Ärzte ohne Grenzen“, Maximilian Gertler, nannte die Zahlen am Mittwoch im RBB-Hörfunk „wirklich dramatisch“. Es müsse angenommen werden, dass der Ausbruch „schon eine ganze Zeit fortgeschritten ist, ohne dass das diagnostiziert werden konnte“. „Ärzte ohne Grenzen“ sei derzeit beschäftigt, Teams und Experten aus der ganzen Welt zusammenzustellen und Personal aus Projekten in Afrika zusammenzuziehen. Zudem werde tonnenweise Material mobilisiert.
Bereits am Sonntag hatte die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Gegen die Bundibugyo-Variante, die für das Infektionsgeschehen verantwortlich ist, gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapeutika. Die Sterblichkeit liegt nach „Ärzte ohne Grenzen“ zwischen 25 und 40 Prozent.