Yadegar Asisi schaut kritisch auf künstliche Intelligenz
Berlin (epd).

Der Panoramakünstler Yadegar Asisi setzt bei seiner Arbeit auch auf die Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI). Trotzdem bleibe KI für ihn nur ein Hilfsmittel in einem komplexen Prozess, bei dem er immer der Regisseur sei, sagte Asisi in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Kunst, die rein von einer KI erstellt worden sei, fehle die Aura eines menschlichen Künstlers.

Asisi nutzt nach eigenen Angaben KI in seiner Arbeit vorwiegend für kleinere Dinge. Der Künstler ist auf riesige, teils fotorealistische 360-Grad-Panoramen spezialisiert, vorwiegend Naturpanoramen. Dafür suche er erst nach einer Idee und bereise dann die betreffende Region, wie für eines seiner neuesten Werke, die Antarktis. Dieses wird derzeit in Leipzig ausgestellt.

KI-Kunst ohne Geschichte hinter Werk

„Ein Naturpanorama ist eigentlich eine ewige Komposition“, erklärte Asisi. Er wolle keine Realität zeigen. Fehle an einer Stelle eine Pflanze oder gefalle ihm ein Schatten nicht, so lasse er sich von einer KI mehrere Varianten vorschlagen und wähle selbst die passendste aus.

Dass Kunst einmal vollständig durch KI-generierte Inhalte ersetzt werde, fürchtet Asisi dennoch nicht. Kunstwerke selbst zeigten die Verbindung eines Menschen zur Welt. Dazu zähle auch die Geschichte hinter dem Werk. Diese Verknüpfung fehle bei Kunst einer KI.

Gefahr für die Demokratie

Allerdings seien der KI keine Grenzen gesetzt. „Höchstwahrscheinlich kann KI alles schaffen“, sagte Asisi. Dabei sei sie zudem „besser“ als der Mensch. Durch KI könne eine Struktur aufgebaut werden, „die in allen Bereichen gegen uns zeigt“, erläuterte Asisi. Die neuesten Fälle von einer sich selbstständig gemachten KI beunruhigten ihn.

Für die Demokratie sei gerade die Manipulation von Bildern eine Gefahr: „Das Foto war ja das Medium, das die Wahrheit zeigte. Und jetzt glaubt man niemandem mehr“, erklärte der Künstler.

Weltweite Ausstellungen

Der einzige Ausweg sei die Betonung der sozialen Kompetenz des Menschen. Die Menschheit müsse begreifen, dass sie nur miteinander leben könne, sagte Asisi. Auch die Fähigkeit, Sinneseindrücke zu verarbeiten, sei gegenüber der KI ein menschliches Alleinstellungsmerkmal.

Yadegar Asisi wuchs in Sachsen auf und lebte später in Berlin. Der Künstler spezialisierte sich auf riesige 360-Grad-Panoramen, die etwa in Berlin, Leipzig und New York in teils eigens dafür gebauten Gebäuden ausgestellt werden.

epd-Gespräch: Linn Manegold