Nach fast einjähriger Sanierung ist am Donnerstag das Wittumspalais in Weimar wiedereröffnet worden. Ausgangspunkt sei die dringend notwendige Sanierung von Dach und Fassade des Witwen-Schlösschens der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739-1807) gewesen, sagte die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, vor Ort. Erst im Verlauf der Bauarbeiten habe sich gezeigt, dass zudem umfangreiche statische Sicherungen notwendig wurden.
Die Sanierung umfasste nach Angaben der Baudirektorin der Stiftung, Friederike von Rosenberg, auch die Wiederherstellung der originalen Farbe des Gebäudes. Straßenseitig präsentiert sich das Haus jetzt in einem einheitlich hellbeigen Farbton, wo bislang die Fenstergesimse rot abgesetzt waren. Im Innenhof stellten die Baugutachter fest, dass die Fassade ursprünglich zweifarbig in hellbeige und weiß gestaltet war. Die Reste der originalen Bemalung seien hinter den Regenrinnen gefunden worden.
Festsaal wird noch fertiggestellt
Für die Restaurierung wurden bislang rund eine Million Euro ausgegeben. Den größten Teil des Geldes steuerte die Bundesregierung über den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien bei. Noch nicht ganz fertiggestellt ist auch der Festsaal des Schlosses. Er soll im Laufe des Jahres der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hier bedarf es laut von Rosenberg zudem noch weiterer Bauforschung. Die Sanierung habe Hinweise darauf gegeben, dass die Herzogin nach dem Kauf des Palais die Raumgrößen des Festsaals habe verändern und das Treppenhaus verlegen lassen.
Integriert in die Präsentation des Gebäudes mit ihren von Anna Amalia gestalteten Zimmern ist zudem das aufwendig restaurierte Familiengemälde der verwitweten Herzogin mit ihren Söhnen Carl August (1757-1828) und Constantin (1758-1798). Das großformatige Werk der Braunschweiger Hofmalerin Barbara Rosina de Gasc (1713-1783) galt lange als durch den Schlossbrand von 1774 schwer beschädigt. Stattdessen konnte die Restaurierung nachweisen, dass sich das ursprüngliche Motiv unter einer frühen großflächigen Übermalung in ungewöhnlich frischen Farben erhalten hatte.
ABC der Bibliotheken
Das barocke Stadtpalais wurde 1767 im Auftrag des Ministers Jakob Friedrich von Fritsch (1731-1814) unter Einbeziehung von Resten eines ehemaligen Franziskanerklosters errichtet. Nach dem Brand des Residenzschlosses im Jahr 1774 erwarb Herzogin Anna Amalia das Gebäude und ließ es als ihren dauerhaften Witwensitz (Wittum) herrichten.
Eine zweite, ebenfalls am Donnerstag eröffnete Ausstellung im Studienzentrum der Anna Amalia Bibliothek erklärt Funktionsweisen, Fachbegriffe und Besonderheiten von Bibliotheken anhand des Alphabets. Entlang der insgesamt 26 Stationen werden Besucherinnen und Besucher zu einem Streifzug durch das erst vor zwei Jahren umgebaute Studienzentrum eingeladen. Ziel der Ausstellung ist es nach Angaben der Klassik Stiftung auch, auf die öffentliche Funktion von Bibliotheken hinzuweisen. Bei ihnen handelt es sich um Institutionen der offenen Gesellschaft, die Kommunikation, Perspektivenvielfalt und Wissen vermitteln.