Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 19. März abgesagt. Die Debatte um die Streichung von drei Juryvorschlägen drohe den Sinn der Veranstaltung „zunehmend zu überlagern“, erklärte Weimer am Dienstag in Berlin. Eine „angemessene Würdigung“ der Preisträgerinnen und Preisträger scheine „kaum noch möglich“, argumentierte der Politiker.
Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, bezeichnete die Absage nach den jüngsten Entwicklungen als „nicht überraschend“. Es sei „bedauerlich“, dass es jetzt keine öffentliche Ehrung der Buchhandlungen gebe. Um diese trotzdem zu feiern, wolle der Börsenverein die Buchhandlungen zu einem Empfang an seinem Stand auf der Buchmesse einladen.
Guggolz sprach sich zudem gegen die Anwendung des sogenannten Haber-Verfahrens aus. Mit diesem können vor einer staatlichen Förderung mögliche Bezüge zum Extremismus geprüft werden: „Wir halten diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel und fordern, dass der Kulturstaatsminister den Ausschluss der drei Buchhandlungen zurücknimmt.“
Kritik von Autoren
Auch der „Welt“-Journalist und Mitbegründer der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, kritisierte auf X: „Wo es Cancel Culture gibt, ist Feigheit meist nicht weit.“ Auf derselben Plattform kritisierte auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt, Weimer vergesse, „dass er es war, der die Würde des Buchhandlungspreises angesägt“ habe. Der vielfach prämierte Schriftsteller Sasa Stanisic warf Weimer auf der Plattform Bluesky unter anderem „Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür, Illiberalität“ vor.
Die prämierten Buchhandlungen sollen laut Weimer Preisgeld und Urkunde jetzt auf direktem Wege erhalten. Die Bekanntgabe der Hauptpreise solle in gesonderter Form erfolgen, hieß es. Eigentlich sollte auf der Leipziger Buchmesse verkündet werden, welche der Buchhandlungen in welchen Preiskategorien (7.000 bis 25.000 Euro) ausgezeichnet werden.
115 Buchhandlungen erklären sich solidarisch
Die drei linken Buchhandlungen „The Golden Shop“ (Bremen), „Rote Straße“ (Göttingen) und „Zur schwankenden Weltkugel“ (Berlin) waren in der vergangenen Woche aufgrund von „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“ von der Nominiertenliste gestrichen worden.
Die anderen 115 nominierten Buchhandlungen hatten sich daraufhin hinter die drei ausgeschlossenen Läden gestellt. Sie hätten sich entschieden, „zusammenzulegen, um den Kolleginnen und Kollegen ihr Preisgeld zu ersetzen“. Die Streichung durch den Kulturstaatsminister bezeichneten die unterzeichnenden Läden als „unfassbar“.
Jury distanziert sich
Bereits am Montag hatte sich die unabhängige Jury des Deutschen Buchhandlungspreises von den Ausschlüssen distanziert. Die sechs Mitglieder hätten sich bewusst gegen eine Nachnominierung der drei Plätze entschieden, um „eine sichtbare Lücke“ zu lassen.
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird seit 2015 verliehen. Ausgezeichnet werden den Angaben zufolge Buchhandlungen, die sich „im besonderen Maße um das Kulturgut Buch und das kulturelle Leben vor Ort verdient gemacht haben“.