TeleVisionale stellt Diskurs in den Mittelpunkt
Weimar (epd).

Das diesjährige Film- und Serienfestival TeleVisionale stellt neben den Werken auch den Diskurs darüber in den Mittelpunkt. Die Vorführungen 33 deutschsprachiger TV-Produktionen vom 23. bis 27. November seien eingebettet in öffentliche Diskussionen der Jurys in den einzelnen Auszeichnungskategorien sowie Vorträge und Preisverleihungen, kündigte Festivalleiter Urs Spörri am Mittwoch in Weimar an.

Insgesamt werden laut Spörri Preise in zwölf Kategorien vergeben. Eröffnet werde das Festival am Montagabend mit der neuen Staffel der Serie Charité. Die Folgen spielen den Angaben nach im Jahr 1831, als die Cholera in Berlin wütete. Die Sendung zeige den Kampf gegen die Epidemie.

Möglichkeit der Mitsprache sehr positiv aufgenommen

Die enge Einbindung des Publikums etwa in Form von Diskussionsrunden mit den Zuschauern unmittelbar im Anschluss an die Vorführungen ist für die Festivalleitung ein zentraler Baustein im Konzept. „Wenn gute Filme ihr Publikum erreichen wollen, müssen Filmschaffende doch wissen, was gewünscht ist und was gefällt“, sagte Spörri dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gerade die erste Festivalsaison in Weimar 2025 habe gezeigt, dass die Möglichkeit der Mitsprache sehr positiv aufgenommen wurde.

Im vergangenen Jahr sei allerdings noch eine gewisse Scheu und Zurückhaltung von den ungewohnten Möglichkeiten spürbar geworden. Das werde sich 2026 sicherlich ändern. Er habe sogar in Vorbereitung des diesjährigen Programms schon Angebote zur ehrenamtlichen Mitarbeit in der Festivalorganisation bekommen.

Ökologische Standards der Filmwirtschaft im Fokus

Der Kulturdezernent der Gastgeberstadt Weimar, Ralf Kirsten, betonte, nach der ersten Auflage hätten viele Weimarer kaum glauben können, dass sie kostenfrei Filmvorführungen besuchen und mit Schauspielern und Regisseuren ins Gespräch kommen könnten. Dies habe sich inzwischen herumgesprochen. Daher erwarte auch er eine noch größere Beteiligung der Stadtbevölkerung als bei der Festivalpremiere im vergangenen Jahr.

Inhaltlich befasst sich das Festival unter anderem mit ökologischen Standards für Film- und Fernsehproduktionen. Diese seien in Deutschland inzwischen für öffentlich geförderte Projekte verbindlich, hieß es. Das Festival würdige vier Filmschaffende, die an dieser Entwicklung beteiligt seien, mit dem Ehrenpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Festival kann die Rolle des Medienlands Thüringen stärken

Die das Festival begleitenden Branchentage legen laut einem Festivalsprecher den Fokus auf die Sichtbarkeit ostdeutscher Geschichten. Zugleich sollen neue Kooperationen angestoßen und Verantwortliche aus der Filmwirtschaft zusammengebracht werden.

Die Programmgeschäftsführerin von ARD-Kultur, Bettina Kasten, sagte, schon die erste Auflage des Festivals habe zur Stärkung des Kulturnetzwerks im Freistaat beigetragen. André Naumann von der Mitteldeutschen Medienförderung betonte, solche Plattformen seien gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen wichtig.

Ihre Teilnahme an dem Festival haben unter anderem der Regisseur von Babylon Berlin, Tom Tykwer, Schauspielerin Désirée Nosbusch und die Tatort-Darsteller Edin Hasanović und Melika Foroutan zugesagt.

Von Matthias Thüsing (epd)