Neues Informationszentrum am Naumburger Dom
Naumburg (epd).

Ein neues Informationszentrum am Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt informiert über die Geschichte des Unesco-Kulturerbes und der Kulturlandschaft an Saale und Unstrut. Das historische Gebäude der ehemaligen Bischofskurie wurde dafür in dreijähriger Bauzeit saniert und am Donnerstag als modernes Informationszentrum für die Welterberegion eröffnet. Die Gesamtkosten von rund 13 Millionen Euro wurden nach Angaben der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg vor allem mit Fördermitteln von Bund und Land finanziert.

Das repräsentative Gebäude war ab 1557 unter Bischof Julius von Pflug (1499-1564) als Residenz im Stil der Renaissance umgebaut worden. Besucher betreten das heutige Zentrum Welterbe durch eine große Halle. Ein extra angefertigter Wandteppich präsentiert die Welterberegion von Memleben bis Zeitz sowie Sagengestalten wie ein Einhorn sowie Kaiser, Bischöfe und die berühmten Stifterfiguren aus dem 13. Jahrhundert. So würden die Besucher gleich in die mittelalterliche Blütezeit der Region „entführt“, hieß es. Der Naumburger Dom wurde im Juli 2018 in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.

Dom ist keine Kulisse, sondern auch „ein lebendiger Ort des Glaubens“

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) erklärte, in Naumburg treffe „jahrhundertealte europäische Kulturgeschichte auf herausragende mittelalterliche Kunst und Architektur“. Dieses Welterbe sei keine Kulisse der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Auftrag für eine gemeinsame Zukunft. „Die behutsame Sanierung der historischen Bischofskurie zeigt beispielhaft, wie denkmalgerechte Erneuerung und zeitgemäße Vermittlung miteinander verbunden werden können“, ergänzte der sachsen-anhaltische Kulturminister Rainer Robra (CDU).

Sachsen-Anhalts Kulturlandschaft sei durch die Welterbestätten geprägt. „Sie zu pflegen und zeitgemäß der Öffentlichkeit zu erschließen, ist eine bedeutende Aufgabe unserer Kulturpolitik“, sagte Robra. Doch der Naumburger Dom sei nicht nur Denkmal, sondern vor allem ein lebendiger Ort des Glaubens und der Musik. Deshalb lobte Robra das Zusammenwirken von staatlicher Kulturförderung, kirchlicher Arbeit, ehrenamtlichem Engagement und kommunalem Verantwortungsgefühl.

Spuren alter Pracht wurden bei der Sanierung wieder sichtbar gemacht

Stiftsdirektor Holger Kunde berichtete auch von den Herausforderungen beim Umbau der historischen Bischofskurie. So hätten vom Erdgeschoss bis hinauf ins Dach Stahlstützen eingebaut werden müssen, um das Gebäude zu stabilisieren. Der historische Bau habe auch immer wieder „überrascht“, sagte Regine Hartkopf, Dombaumeisterin der Vereinigten Domstifter. Zahlreiche historische Spuren aus Romanik, Gotik und Barock hätten erhalten werden können.

So seien unter abgehängten Decken, „hinter fast jeder Wand und unter zahlreichen Farbschichten immer neue Spuren der langen Geschichte des Hauses zum Vorschein“ gekommen, sagte Hartkopf. Dazu zähle etwa die farbenprächtige Renaissance-Malerei eines Eisvogels, der künftig unter dem Namen „Henri“ als Maskottchen des Zentrums vor allem jüngere Besucher ansprechen soll.

Von Thomas Nawrath (epd)