Lutherhaus in Eisenach vor neuen Herausforderungen
Birkenmeier: Einsparungen in kommenden Jahren wohl unvermeidlich
Eisenach (epd).

Angesichts zunehmender politischer Angriffe auf kirchliche Institutionen unterstreicht der Direktor des Lutherhauses Eisenach, Jochen Birkenmeier, die Unabhängigkeit kirchlicher Erinnerungsorte. „Parteien wie die AfD haben angekündigt, staatliche Zuschüsse für die Landeskirche zu streichen, und vertreten teils kirchenfeindliche Positionen“, sagte er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit könnten auch kulturelle Einrichtungen unter Druck geraten.

Ein Blick in die DDR-Zeit zeige, wie problematisch staatlicher Zugriff auf Erinnerungskultur sein könne. „Bei Gründung unseres Museums 1956 wurden die wichtigsten Lutherstätten staatlich verwaltet und im Sinne des Marxismus-Leninismus geleitet“, sagte der Historiker. Das Lutherhaus in Eisenach, das sich in kirchlicher Trägerschaft befindet, habe hingegen einen Freiraum geboten, eigene Perspektiven auf Reformation und Kirchengeschichte zu vermitteln. Trotz seiner eher geringen Größe habe es dazu beigetragen, alternative Sichtweisen zu bewahren und unabhängig von staatlicher Ideologie zu arbeiten.

Finanzielle Spielräume werden enger

Heute steht das Haus laut Birkenmeier vor neuen Herausforderungen. Wie viele andere Museen auch sei es auf Zuschüsse angewiesen. Angesichts sinkender finanzieller Spielräume der Kirche seien künftig Einsparungen unvermeidlich: „Es wird die Frage sein, ob und in welchem Umfang öffentliche Mittel zur Sicherung solcher kulturellen Orte bereitgestellt werden können.“ Langfristig könne die Kirche diese Aufgabe nicht allein schultern.

Ziel sei es, ein Ort zu bleiben, der historische Themen verständlich und zugänglich für ein breites Publikum aufbereitet. Neben Ausstellungen und museumspädagogischen Angeboten soll besonders die Ansprache von Kindern und Jugendlichen ausgebaut werden. Zugleich gehe es darum, trotz begrenzter Mittel attraktive Angebote zu erhalten, ohne die Eintrittspreise stark zu erhöhen.

In der Wahrnehmung der Gäste ein touristischer Ort

Eine wichtige Rolle spielt laut Birkenmeier dabei der Tourismus. Das Lutherhaus werde von vielen Besuchern als Sehenswürdigkeit wahrgenommen und erreiche ein Publikum weit über kirchliche Kreise hinaus. Ein Großteil der Gäste stamme aus anderen Bundesländern und habe keinen direkten Bezug zur Kirche. Darin sieht Birkenmeier eine Chance: „Das Haus kann Menschen unabhängig von ihrer religiösen Prägung an historische und kulturelle Themen heranführen.“

Das Lutherhaus feiert am Sonntag sein 70-jähriges Bestehen. Es gilt als eine der letzten bedeutenden Lutherstätten in kirchlichem Eigentum.

epd-Gespräch: Matthias Thüsing