Leipziger Buchmesse zieht mehr als 300.000 Menschen an
Leipzig (epd).

Die Leipziger Buchmesse verzeichnet einen neuen Gästerekord: 313.000 Menschen haben den Frühjahrsbranchentreff von Donnerstag bis Sonntag besucht. Täglich hatten sich lange Schlangen auf dem Messegelände gebildet. Vor allem am Samstag strömten Literaturfans in die Ausstellungshallen. 2.044 Verlage und Medienunternehmen aus 54 Ländern präsentierten sich. 2025 waren es rund 296.000 Buchmesse-Gäste.

Gut besucht war in diesem Jahr unter anderem das Forum Offene Gesellschaft. Auch die Bühne zum Schwerpunktthema „Donau - Unter Strom und zwischen Welten“ zog viele Menschen an. Vorgestellt wurde Literatur des Donauraums. Zahlreiche kostümierte Fans besuchten darüber hinaus die Manga Comic Con. Erstmals wurde der sogenannte Tancho Award für die besten Manga-Künstler und -Künstlerinnen vergeben.

Neuer Roman „Sanditz“

Podien beschäftigten sich mit gesellschaftspolitischen Themen wie Antisemitismus, Rassismus und Rechtsruck sowie mit der deutschen Einheit. Lukas Rietzschel stellte sein neues Buch „Sanditz“ vor, das sehr interessiert aufgenommen wurde. Die Schriftstellerin Thea Dorn bezeichnete Rietzschel auf einem Buchmesse-Podium am Sonntag als „den Mann der Messe“.

Sein neuer Roman erzählt auf knapp 500 Seiten von einer fiktiven Kleinstadt in der ostdeutschen Provinz. Es geht unter anderem um eine Familie und um eine protestantische Kirchgemeinde in der DDR.

Er möchte aus dem Osten heraus erzählen und sich nicht an Westdeutschland abarbeiten. „Wir sind kein monolitischer Block“, sagte Rietzschel. Er wollte auch keine Thesen publizieren. Er versuche, sich mit dem Leben der Menschen zu beschäftigen.

Rietzschel wurde im sächsischen Räckelwitz in der Oberlausitz geboren und gilt als eine wichtige junge Stimme Ostdeutschlands. Ob er nach seinem inzwischen dritten Roman weiterschreibt, ließ er im Gespräch mit Thea Dorn offen. „Ich habe meinen Traum gelebt“, sagte Rietzschel mit Blick auf sein Leben als Schriftsteller. An einem neuen literarischen Werk sitze er jedenfalls derzeit nicht.

Debatten zur AfD und zu Ostdeutschland

Der Literaturkritiker Dennis Scheck gab am Sonntag auf der Kulturbühne von ARD, ZDF und 3Sat noch einmal Leseempfehlungen. Er betonte: „Literatur sei in der Lage, vorgefertigte Meinungen zu korrigieren.“ Erst die Auseinandersetzung mit dem Text könne eine literarische Meinung bilden.

Diskutiert wurde auf der Buchmesse zudem zur rechten Partei AfD. Politikwissenschaftler und Extremismusforscher Uwe Backes sieht einen Grund für deren Erfolg in Ostdeutschland in einer „relativen Schwäche der demokratischen Zivilgesellschaft“. Aber auch in Westdeutschland habe die AfD ein hohes Zustimmungsniveau.

Schlink, Fitzek und Caroline Wahl

Auf der Leipziger Buchmesse stellten unter anderem zudem die Autorin und Podcasterin Sophie Passmann sowie der Jurist und Schriftsteller Bernhard Schlink, der Krimi-Autor Sebastian Fitzek, der Comedy-Autor Lutz van der Horst und der österreichische Schriftsteller Robert Menasse ihre Werke vor. Großen Andrang gab es unter anderem bei einer Signierstunde mit Caroline Wahl. Der Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik ging an Katerina Poladjan für ihren Roman „Goldstrand“.

Von Katharina Rögner (epd)