Das Berliner Haus der Kulturen der Welt widmet sich ab Samstag in einer Sonderausstellung Soldaten aus französischen Kolonien, die in Europa gegen Nazi-Deutschland kämpfen. Diese sogenannten „Tirailleurs“, französisch für „Schützen“, zeigten „eine Geschichte der Befreiung des europäischen Kontinents“, die bislang kaum beleuchtet sei, sagte Intendant Bonaventure Ndikung am Freitag bei der Präsentation. Gleichzeitig solle den Betroffenen eine Stimme gegeben werden.
Die teilweise zwangsrekrutierten „Tirailleurs“ kämpften in beiden Weltkriegen. Unter anderem habe die Mehrheit der 250.000 Soldaten dieser „Armee B“ aus afrikanischen Soldaten bestanden. Diese kämpfte maßgeblich bei der Befreiung Frankreichs von Nazi-Deutschland mit. Ndikung sagte: „So schrecklich es klingt, der Erste und Zweite Weltkrieg waren das erste große multikulturelle Ereignis Europas.“ Ende 1944 wurden sie demnach zurückgeschickt, auch, weil die Bilder des Sieges keine Schwarzen Befreier zeigen sollten.
Keine Idealisierung
Die Schau erzählt die Geschichte der Soldaten unter anderem anhand alter Filmaufnahmen, Gemälde, Fotografien und Klanginstallationen. Gleichzeitig versuche die Ausstellung den Spagat, Soldaten und Krieg nicht zu idealisieren, erklärten die Kuratorinnen und Kuratoren.
„Tirailleurs“ schlägt mit einem Film von Mario Pfeifer auch eine Brücke in die Gegenwart. In der Videoarbeit befasste er sich mit aktuellen Rekrutierungen in Afrika seitens Russland für den Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Performances zur Eröffnung
An diesem Eröffnungswochenende erwarten Besuchende Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, Podiumsdiskussionen, Performances und Filmvorführungen. Musikalisch sollte die Ausstellung am Freitagabend mit einem Konzert des Singer-Songwriters Cheikh Lo eröffnet werden. Zudem tritt am Sonntag der Cellist, Sänger und Komponist Abel Selaocoe mit seiner Band Bantu Ensemble auf.
An den Wochenenden kann an Rundgängen teilgenommen werden. Montags, freitags und samstags werden Gespräche mit Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittlern angeboten.
„Tirailleurs“ ist Teil des „Heimaten“-Projekts des Hauses der Kulturen der Welt. Die Reihe zielt auf eine Neudeutung des Heimatbegriffs und läuft seit 2024 noch bis zum kommenden Jahr.