Die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen laden zwischen 5. und 26. März zu 80 Veranstaltungen in 16 Städten im Freistaat ein. Bis zur Verfolgung durch den Nationalsozialismus seien christlich-jüdische Nachbarn in Mitteldeutschland selbstverständlich gewesen, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, bei der Programmvorstellung am Mittwoch in Erfurt. Heute bringe das Festival das Wissen um die jüdische Kultur der Nachbarschaft wieder in die Städte und Gemeinden zurück.
Veranstaltungsorte sind unter anderem Erfurt, Gera, Suhl, Meiningen, Themar, Mühlhausen und Gotha. Den Auftakt bildet am 5. März in Erfurt das Eröffnungskonzert des israelischen Sharon Mansur Trios. Die 1996 geborene Pianistin Sharon Mansur vermische in einzigartiger Weise Klassik, Pop und Jazz, hieß es. Insgesamt werden 16 israelische Künstlerinnen und Künstler auf dem Festival auftreten.
Konzerte, Ausstellungen und Lesungen
Neben Konzerten bietet das Festival auch Lesungen, Stadtführungen, Diskussionen und Ausstellungen. So wird etwa ein gemeinsames Foto-Projekt der Partnerstädte Erfurt und Haifa mit Porträts ihrer Einwohner gezeigt. Am 25. März wird der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in der Neuen Synagoge Erfurt über die Herausforderungen und Chancen einer lebendigen jüdischen Gegenwart sprechen.
Der Chef der Thüringer Staatskanzlei, Stefan Gruhner (CDU), mahnte bei der Programmvorstellung eine Intensivierung der Beziehungen zwischen Thüringen und Israel an. Insbesondere der Jugendaustausch müsse zeitnah aufgenommen werden. Hier werde sich die Landesregierung verstärkt engagieren.
Bollwerk gegen Antisemitismus
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) erinnerte daran, dass die Wiege der Jüdisch-Israelischen Kulturtage in der thüringischen Landeshauptstadt stehe. Begonnen habe das Festival vor mehr als drei Jahrzehnten als jüdische Woche. Seitdem habe es sich zu einem zentralen Ort des kulturellen Dialogs entwickelt. Die Kulturtage schafften Verbindung statt Distanz.
Festivalleiter Johannes Gräßer betonte den Wert der Kultur als Bollwerk gegen Boykottaufrufe und Antisemitismus in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung. Das Festival verstehe sich „als kraftvoller Gegenpol zu Tendenzen der Ausgrenzung“. Das Festival trete auch an, um zu zeigen, dass Thüringen weit mehr sei als „Schlagzeilen über rechtsextreme Strömungen“.