Erbsensuppe zur Wiedereröffnung der Hohenzollerngruft
Berlin (epd).

Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom wird am Wochenende nach sechsjähriger Schließung wieder eröffnet. Die Grablege der brandenburgischen und preußischen Herrscherfamilie zählt mit ihren 91 Särgen neben dem Escorial in Madrid und der Kapuzinergruft in Wien zu den größten dynastischen Familiengrüften in Europa. Die Umbauarbeiten kosteten nach Angaben der Domverwaltung von Mittwoch insgesamt rund 29,5 Millionen Euro.

Als Geschenk für die Berlinerinnen und Berliner lädt der Dom am Samstag zu einem Tag der offenen Tür mit kostenlosem Eintritt ein, wie Domprediger Stefan Schlopp erklärte. Dazu soll es Erbsensuppe geben, wie 1905 zur Eröffnung des heutigen Doms.

Am Sonntag gibt es einen Festgottesdienst. Dazu werden unter anderem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sowie als Vertreter des Hauses Hohenzollern Georg Friedrich Prinz von Preußen erwartet.

Grund für die Sanierung der rund 1.400 Quadratmeter großen Gruft unter der sogenannten Predigerkirche waren vor allem die Folgen des starken Besucherzuwachses in den vergangenen Jahrzehnten. Dombaumeisterin Sonja Tubbesing zufolge führten Feuchtigkeit und Wärme zu Schäden an den Särgen aus unterschiedlichen Materialien. Vor der Corona-Pandemie wurden jährlich bis zu 750.000 Besuchende gezählt. Im vergangenen Jahr waren es rund 630.000 Menschen. Das Bauwerk zählt zu den Touristenmagneten auf der Berliner Museumsinsel.

An den Umbaukosten beteiligt sich die Domgemeinde mit 9,3 Millionen Euro. Der Bund gibt den Angaben zufolge mehr als zehn Millionen Euro. Das Land Berlin war mit mehr als neun Millionen Euro an der Verbesserung der Infrastruktur für Besucher beteiligt, etwa durch Einbau eines Aufzugs.

Außerdem gab es Zuschüsse von privaten Geldgebern wie der Cornelsen Kulturstiftung für den neuen „Vermittlungsraum“ vor Eintritt in die Gruft. Hier gibt es ein interaktives Modell der Grablege sowie Informationen über die Geschichte der Hohenzollern, die Bestattungskultur und die hohe Kindersterblichkeit in der Vergangenheit. Die Gruft enthält allein 33 Kindersärge. Kuratorin Birgit Walter begründete den „Vermittlungsraum“ vor der Gruft damit, dass bewusst auf eine Musealisierung der Särge verzichtet worden sei. Schließlich handele es sich bei der Gruft um einen Friedhof.

Zur Finanzierung der laufenden Erhaltungskosten des riesigen Kirchbaus erhebt die rund 1.800 Mitglieder umfassende Domgemeinde seit Jahren eine sogenannte Domerhaltungsgebühr zum Eintritt. Diese steigt zur Eröffnung der Gruft von zehn auf 15 Euro. Dazu ist jetzt zusätzlich zu dem Besucherrundgang durch Predigerkirche, Gruft und Kuppel und Dommuseum auch ein Audioguide eingepreist.

In der Gruft sind unter anderem der Zinnsarg von Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg (1546-1608) zu sehen, der Marmorsarg des „Großen Kurfürsten“, Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), sowie der Eichensarg von Prinzessin Anna Elisabeth Luise von Preußen, Markgräfin von Brandenburg-Schwedt (1738-1820).

Von Lukas Philippi (epd)