Papageientulpen und Pampasgras als Blumenschmuck, eine skulpturale 3D-Hochzeitstorte, ein interaktive „Food Station“ mit „Show Cooking“ und eine Location mit Poollandschaft: Geht’s noch einzigartiger, wenn zwei Menschen sich trauen? Ja - wenn man solche im Netz kursierenden aktuellen Hochzeitstrends umgeht. Tipps für ein unvergleichliches Fest.
Was ist in?
Ein ganzer Industriezweig verdient am Heiraten - und sorgt mit immer neuen Einfällen dafür, dass der Markt von Jahr zu Jahr überdrehter wird. Das hat Folgen: Die Zielgruppe ist trendmüde. „Individualität hat einen immer größeren Stellenwert“, sagt Nancy Krüger-Klehm, Vorsitzende des Bundes deutscher Hochzeitsplaner. Es gehe heute weniger um kurzlebige Moden, als vielmehr darum, was ein Paar ausmache. „Die Geschichte der Beziehung soll sich auch bei der Hochzeitsfeier widerspiegeln. Authentizität und Rituale sind dabei wichtig“, erläutert Krüger-Klehm. In ist also alles, was nicht austauschbar ist.
Kirchlich oder nur standesamtlich?
Pastor Stephan Lackner vom evangelischen Kirchenkreis Hannover ist häufig mit einem ökumenischen Kirchenstand auf Hochzeitsmessen vertreten, um Brautpaare über die kirchliche Trauung zu informieren. Er beobachte schon seit mehreren Jahren auch bei der Frage nach der Zeremonie einen ausgeprägten Wunsch nach mehr Individualität, sagt er. Das führt aus seiner Sicht dazu, dass sich Paare zwar eine Segenshandlung wünschen, aber nicht unbedingt im traditionellen Stil.
Unterstützung bekommen sie bei den sogenannten „Kasualagenturen“ der evangelischen Kirche. Einrichtungen wie das „Segensbüro“ in Berlin, „St. Moment“ in Hamburg oder „Sozusegen“ in Hannover ergänzen das klassische kirchliche Angebot und ermöglichen die spontane und individuelle Gestaltung von Taufen, Hochzeiten, Bestattungen und Segensfeiern. „Bei diesen Pop-up-Formaten ist eine Zunahme zu spüren, was uns sehr freut“, sagt Pastor Lackner. Mit der Aktion #einfachheiraten laden viele Landeskirchen dazu ein, sich rund um den 26.06.2026 das Jawort zu geben.
Welche Outfits sind angesagt?
„Die Hochzeitsoutfits sind heute ebenso individuell wie die Feier selbst“, sagt Hochzeitsplanerin Nancy Krüger-Klehm. Es werde nicht mehr zwingend ein Kleid in einer Hochzeitsboutique gekauft. Vielfach werde auch darauf geschaut, ob die Garderobe auch später noch zu anderen Anlässen getragen werden könne. In jedem Fall bevorzugten Hochzeitspaare aber festliche Kleidung. Das gelte auch für die Gäste. Dabei werde der Dresscode gern um Wunschfarben des Paares ergänzt. „Für ein stimmiges Gesamtbild“, wie Krüger-Klehm ausführt.
Kleine oder große Feier?
Die Gästelisten werden Krüger-Klehm zufolge kürzer - eine Tendenz, die in den Jahren der Corona-Pandemie begonnen hat. Gefeiert werde häufiger als früher im kleinen Rahmen mit 20 bis 40 Familienmitgliedern und Freunden, sagt die Hochzeitsplanerin, die selbst eine Agentur in Erfurt betreibt. Gemeinsame Zeit mit den Gästen ist aus ihrer Sicht ein entscheidender Faktor. Oft werde nicht nur ein ganzer Tag für das Fest eingeplant, sondern die Hochzeit erstrecke sich über drei Tage. Es beginnt mit einem „Welcome-Abend“. Am nächsten Tag ist dann die Trauung mit anschließender Party. Und am dritten Tag kommen alle morgens noch einmal zu einem gemeinsamen Brunch zusammen.
Was gilt für Ausstattung und Essen?
Der Wunsch nach mehr Individualität spiegelt sich auch bei Deko und Essen wider: Man möchte am liebsten in intimer, familiärer Atmosphäre feiern und auch der ausgewählten Location seinen Stempel aufdrücken. Es ist daher nichts Ungewöhnliches mehr, Einheitsteelichter und -vasen vom Restaurant durch individuelle Deko-Artikel wie Familienerbstücke zu ersetzen. Wenn es ums Essen geht, fällt die Wahl meist auf ein Buffet als auf ein eher steifes Menü. Ungezwungenheit statt Perfektion ist die Devise.
Mit welchen Kosten ist zu rechnen?
„Für eine wenig aufwendige und einfach ausgestattete mittelgroße Hochzeit mit 60 Gästen sind Kosten ab 15.000 Euro realistisch“, sagt Nancy Krüger-Klehm. Solche Summen sind aber keine Selbstverständlichkeit. Angesichts der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Lage schauten Paare sehr genau auf die Kosten, sparten jedoch auch länger dafür. „Für eine Hochzeit werden heute eher Wunschzeiträume als konkrete Wunschdaten genannt“, berichtet Krüger-Klehm. Erfahrene Hochzeitsplaner mit einem guten Netzwerk schauten auf das vorgegebene Budget und wüssten dann, welche Wünsche des Paares sich damit umsetzen ließen. „Sollte etwas nicht passen, bieten wir alternative Lösungen an“, sagt die Hochzeitsplanerin.