Festsäle im Dresdner Schloss bald öffentlich zugänglich
Dresden (epd).

Das Dresdner Residenzschloss ist um eine Attraktion reicher: Nach dreijähriger aufwendiger Rekonstruktion sind am Freitag die historischen Festsäle zur Nutzung übergeben worden. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wollen im sogenannten Propositionssaal und im Großen Ballsaal von April an eine neue Dauerausstellung präsentieren. Wie der Museumsverbund mitteilte, sollen dabei unter dem Titel „Masken und Kronen“ die barocke Festkultur und höfische Machtrepräsentation im kurfürstlichen Sachsen im Mittelpunkt stehen.

Laut dem sächsischen Finanzministerium ist die Fertigstellung der beiden Säle ein weiterer Meilenstein beim Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstörten Dresdner Schlosses. Es sei damit auch wieder ein vollständiger Rundgang durch die Festetage im Nordflügel der ehemaligen Residenz möglich. Die beiden Säle wurden seit Januar 2023 im Stil des Historismus neu inszeniert.

21 Millionen Euro Kosten

Als Vorbild dienten historische Archiv- und Bauunterlagen aus dem 19. Jahrhundert. Die Kosten belaufen sich laut Ministerium auf rund 21 Millionen Euro. 4,6 Millionen Euro wurden vom Bund und 16,4 Millionen Euro aus Landesmitteln gedeckt.

Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (CDU) würdigte bei der symbolischen Schlüsselübergabe die jahrzehntelange Aufbauleistung am Schloss. „Mit der Zerstörung des Dresdner Residenzschlosses 1945 schien seine damals mehr als 700-jährige Geschichte beendet“, erklärte er. Doch mit dem 1986 begonnenen Wiederaufbau werde die Schloss- und Landesgeschichte weitergeschrieben. Die Rekonstruktion der beiden Festsäle sei wie alle bisherigen Bauabschnitte eine große Gemeinschaftsleistung, betonte Piwarz.

Das Dresdner Schloss stand etwa 40 Jahre lang als Ruine im historischen Stadtzentrum. Der Abschluss der Rekonstruktion wird für 2027 erwartet. Bund und Land investieren voraussichtlich rund 407 Millionen Euro in das Projekt.

Erste sächsische Verfassung im Schloss überreicht

Im Propositionssaal wurde 1831 die erste sächsische Verfassung überreicht. Später diente der Raum als Thronsaal und Versammlungsort des Vorläufers des heutigen sächsischen Landtages. Auch der Große Ballsaal war Teil der Festetage. Nach der Zerstörung 1945 waren von dem Raum nur Außenwände und einige stark verwitterte Originalteile der inneren Wandverkleidungen und der Stuckdekoration erhalten geblieben.

Auf die Wiederherstellung der einstigen Vergoldungen an Decken und Wänden und der monumentalen Gemälde in den Räumen wurde laut Ministerium bewusst verzichtet. Stattdessen wurden die historische Architektur, restaurierte Fragmente und neue Handwerksarbeiten miteinander verbunden.

Französisches Tafelparkett

Beide Säle wurden wieder mit diagonalem französischem Versailler Tafelparkett aus Eichenholz ausgestattet. Derzeit erfolge der Einbau von Vitrinen für die Präsentation der Kunstobjekte. Die dafür benötigte modernste Technik für Beleuchtung, Elektrik und Klimatisierung wird über Bodentanks im Fußboden versorgt. Zu sehen sind unter anderem die Krönungsfigurine des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs, August des Starken (1670-1733), sowie seine berühmte Sonnenmaske.

Erst im November war die rekonstruierte Schlosskapelle übergeben worden. Die Kunstsammlungen wollen sie als Veranstaltungssaal nutzen.

Von Katharina Rögner (epd)