Drei deutsche Filme im Bären-Rennen
Berlinale-Chefin präsentiert ihr zweites Festivalprogramm
Berlin (epd).

Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle setzt in ihrem zweiten Festivalprogramm auf den deutschen Film: Mit Angela Schanelec, Ilker Çatak und Eva Trobisch sind drei deutsche Regisseure vertreten. Insgesamt konkurrieren 22 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Bei der Vorstellung der Wettbewerbsbeiträge der 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar am Dienstag in Berlin betonte Tuttle: „Wir haben uns dieses Jahr in so viele Filme verliebt.“

Çatak („Das Lehrerzimmer“) zeigt sein neues Werk „Gelbe Briefe“. Darin erlebt das türkische Künstlerehepaar Derya und Aziz die Willkür des Staates und verliert über Nacht seine Arbeit und damit die Lebensgrundlage. Schanelecs „Meine Frau weint“ erzählt von einer Frau, die sich plötzlich von ihrem eigenen Leben entfremdet, in Trobischs „Etwas ganz Besonderes“ mit Max Riemelt und Eva Löbau geht es um eine junge Frau auf Identitätssuche. Sandra Hüller ist in dem österreichisch-deutschen Historiendrama „Rose“ von Markus Schleinzer zu sehen.

Zu den internationalen Schauspielstars des Wettbewerbs zählen Amy Adams, Channing Tatum, Callum Turner, Juliette Binoche, Elle Fanning, Pamela Anderson und Rupert Grint. Turner, Fanning und Anderson spielen in „Rosebush Pruning“ des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz, in dem vier Geschwister in einer Villa in Reichtum und Abgeschiedenheit leben. Adams ist in „At the Sea“ des ungarischen Regisseurs Kornel Mundruczo über eine Frau auf Entzug zu sehen, Tatum in „Josephine“ von Beth de Araujo. Der Film handelt von einer Familie, die nach einem traumatischen Erlebnis mit den Folgen kämpft. Binoche gehört zum Cast von Lance Hammers Drama „Queen at Sea“ über eine an Demenz erkrankte Frau.

Eröffnet wird die Berlinale mit der romantischen Komödie „No Good Men“ der in Hamburg lebenden afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat. Die internationale Koproduktion über das Leben afghanischer Frauen, in der Sadat auch die Hauptrolle spielt, läuft als Berlinale Special Gala außerhalb des Wettbewerbs.

Die Filme der Sektion Berlinale Special, neben dem Wettbewerb die spannendste Reihe, wurden bereits jüngst verkündet. Gezeigt werden etwa Ulrike Ottingers Film „Die Blutgräfin“ mit Isabelle Huppert, Birgit Minichmayr und Lars Eidinger, Teodora Ana Mihais Drama „Heysel 85“ über die verheerende Katastrophe im belgischen Heysel-Stadion, die Musikdokumentation „The Ballad of Judas Priest“ von Sam Dunn und Tom Morello sowie die chilenische Serie „La casa de los espíritus“ nach Isabel Allendes Roman.

Die Goldenen und Silbernen Bären werden am 21. Februar verliehen. Präsident der Internationalen Jury ist der deutsche Regisseur, Autor und Fotograf Wim Wenders. Den Goldenen Ehrenbären für ein Lebenswerk erhält die malaysische, Oscar-prämierte Schauspielerin Michelle Yeoh.

Vor dem Hintergrund des Marktwachstums von Streamingdiensten warb Tuttle auch für das Kino und die Kinokultur. „Wir befinden uns in einem Kampf um diese Kunstform“, sagte sie. „Filme sind so großartig wie eh und je, aber die Infrastruktur muss stark bleiben.“ Das Festival leiste einen Beitrag dazu. Insgesamt sind dieses Jahr 276 Filme zu sehen.

Von Nadine Emmerich (epd)