Mit der Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung ist die Leipziger Buchmesse am Mittwochabend im Gewandhaus eröffnet worden. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt der kroatisch-bosnische Schriftsteller Miljenko Jergovic für sein Werk „Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered“. Insgesamt 2.044 Verlage und Medienunternehmen aus 54 Ländern beteiligen sich bis Sonntag an der Leipziger Buchmesse. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) strich einen Teil seines Programms.
Schwerpunkt des Frühjahrsbranchentreffs ist in diesem Jahr die Literatur des Donauraums. Unter dem Motto „Donau - Unter Strom und zwischen Welten“ sind allein dazu fast 30 Veranstaltungen geplant.
Die Direktorin der Buchmesse, Astrid Böhmisch, betonte unmittelbar vor Beginn am Mittwoch in Leipzig, dass der Branchentreff Menschen mit ganz verschiedenen Biografien verbinden wolle. Das zentrale Motto „Wo Geschichten uns verbinden“ folge der Überzeugung, dass Literatur Nähe zwischen Menschen schaffe und ein Ort der Auseinandersetzung sei. „Es ist immer möglich, eine Haltung zu ändern und den Blick zu erweitern“, sagte Böhmisch.
Kritik an Weimer
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hatte seinen Messerundgang für Donnerstag abgesagt. Er wolle nur an der Eröffnung am Mittwochabend im Leipziger Gewandhaus teilnehmen, hieß es. Böhmisch sagte dazu: Die „terminbedingte“ Absage des Messerundgangs sei schade: „Aber es ist, wie es ist.“
Weimer war unter anderem in die Kritik geraten, nachdem sein Amt wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ drei Buchhandlungen von der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises ausgeschlossen hatte. Zudem gibt es seit Tagen Wirbel um einen Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Weimar kündigte zunächst an, den Neubau stoppen zu wollen. Am Mittwoch hieß es jedoch, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei.
Buchbranche als „verlässliches Rückgrat“
Der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Peter Kraus vom Cleff, betonte die Bedeutung der Literatur für die Gesellschaft. „Die Demokratie braucht die Buchbranche als verlässliches Rückgrat“, sagte er. Der Börsenverein betrachte mit Sorge die aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen.
Vom Cleff kritisierte unter anderem die Streichung der drei Buchhandlungen von der Preisträgerliste. Zudem betonte er die Notwendigkeit des Bibliothekserweiterungsbaus in Leipzig. Es sei „völlig falsch“, einen bereits geplanten und notwendigen Bau zu stoppen.
Zentraler Bestandteil der Buchmesse ist das Lesefestival „Leipzig liest“ mit rund 3.000 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der gesamten Stadt. Dazu erwartet werden unter anderem Autoren wie Sebastian Fitzek und Marc Uwe Kling sowie die US-Autorin der „Bridgerton“- Romane, Julia Quinn, die Reality-Show-Darstellerin Daniela Katzenberger sowie die Feministin Alice Schwarzer.
Lesemarathon mit Juli Zeh
Ein Höhepunkt des Programms ist eine 18-stündige „Lange Lesenacht“, bei der Juli Zehs Roman „Unterleuten“ von 70 Persönlichkeiten vorgelesen wird, darunter auch von der Autorin selbst. Das Angebot sollte am Mittwochabend beginnen.