Die Neue Nationalgalerie in Berlin zeigt von Freitag an eine Ausstellung mit Werken des Bildhauers Constantin Brancusi (1876-1957). Zu sehen sind mehr als 150 Arbeiten des rumänisch-französischen Künstlers, wie die Staatlichen Museen zu Berlin am Dienstag zur Präsentation der Sonderausstellung mitteilten. Neben zahlreichen Skulpturen werden Fotografien, Zeichnungen, Filme und Archivmaterial präsentiert.
Anlass ist der 150. Geburtstag des Bildhauers. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
„Unendliche Säule“
Brancusi zählt zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Seine auf das Wesentliche reduzierten Arbeiten machten ihn zum Vorreiter der skulpturalen Abstraktion. Er sei immer auf der Suche nach der idealen Form gewesen, schreiben die Kuratoren der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Pariser Centre Pompidou entwickelt wurde.
Brancusis plastische Arbeiten stellen oft abstrakte Objekte dar. Dabei bediente er sich verschiedener Werkstoffe wie Bronze, Marmor, Holz und Gips. Neben Hauptwerken wie „Schlummernde Muse“, „Der Kuss“, „Vogel im Raum“ oder die „Unendliche Säule“ zeigt die Ausstellung erstmals außerhalb von Paris eine Teilrekonstruktion des ursprünglich 200 Quadratmeter großen Ateliers von Brancusi. Hier zeigte er ab den 1920er Jahren bevorzugt seine Werke. Heute gehört es zum Centre Pompidou.
Ein von ihm 1938 vollendetes Skulpturenensemble mit dem Namen „Straße der Helden“ in Targu Jiu (Rumänien) steht seit 2024 auf der Liste des Unesco-Welterbe. Es besteht aus der weltberühmten „Unendlichen Säule“ („Coloana Infinitului“), dem „Tisch des Schweigens“ und dem „Tor des Kusses“.
Auf das Wesentliche reduzierte Formen
Geboren wurde er 1876 in dem Dorf Hobita südlich der rumänischen Karpaten, in der Nähe von Targu Jiu. Dort kam er früh mit der traditionellen Holzschnitzkunst in Kontakt, deren Formen ihn zeitlebens begleiteten. 1904 verließ Brancusi sein Heimatland Richtung Paris. In der französischen Metropole schrieb er sich an der Kunsthochschule ein. 1907 lernte er den Bildhauer Auguste Rodin (1840-1917) kennen, in dessen Atelier er kurze Zeit arbeitet.
Brancusis Werk ist auf wenige Motive beschränkt. Die Berliner Ausstellung zeigt zentrale Werkgruppen. Darunter sind Porträts, Torsi, Tierdarstellungen und geometrische Formen.
Ein zentrales Thema sind die ab 1917 entstehenden „Unendlichen Säulen“. Von diesen erschaffte Brancusi zahlreiche Varianten. Die längste ist die fast 30 Meter hohe Säule in Targu Jiu. In Berlin ist eine kleinere, hölzerne Ausführung zu sehen. Ihre rauhe Oberfläche steht im Gegensatz etwa zur hochpolierten metallenen Variante in Targu Jiu. Die Säulen bestehen aus einfachen geometrischen Elementen, die - je nach Lichteinfall - dem Werk eine eigentümliche Dynamik verleihen.
Brancusi wurde 1952 französischer Staatsbürger. Während er in Frankreich sehr populär ist, ist der Bildhauer in Deutschland bislang eher Eingeweihten ein Begriff. Die Berliner Ausstellung gilt als die erste umfassende Werkschau des Begründers der modernen Skulptur seit mehr als 50 Jahren in Deutschland.