Die Zahl konfessioneller Krankenhäuser ist in Sachsen-Anhalt innerhalb eines Jahres von elf auf neun gesunken. In der Debatte über die Zukunft der Kliniken stelle sich deshalb die Grundsatzfrage, ob Gesundheit eine Ware oder eine Frage der Daseinsvorsorge sein soll, sagte der Beauftragte der evangelischen Kirchen beim Land, Albrecht Steinhäuser, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Magdeburg.
Letztlich hätten wirtschaftliche Gründe dazu geführt, dass das evangelische Klinikum Martha-Maria in Halle-Dölau seine Eigenständigkeit verliert und im Frühjahr mit dem katholischen Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara fusionieren wird, sagte Steinhäuser. Bereits im August sei mit dem Krankenhaus der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg ein christlich geprägtes Haus verschwunden und vom Universitätsklinikum Magdeburg übernommen worden.
Turbulenzen im Pflegesektor
Laut Steinhäuser verspüren vor allem kleinere Krankenhäuser finanziellen Druck. Hinzu kämen „das Problem des Fachkräftemangels und der Trend zur Ambulantisierung“, sagte er. Dies habe auch die Pfeifferschen Stiftungen 2025 in die Insolvenz geführt. Zum Glück habe „für Altenpflege, Behindertenpflege und Hospiz eine tragfähige Lösung“ gefunden werden können. Er betrachte jedoch „die Entwicklungen im Pflegebereich mit Sorge“, sagte Steinhäuser: „Der Druck auf die diakonischen Einrichtungen bleibt weiter hoch.“
Kompromisse für die Zukunft
Aus kirchlicher Sicht sei 2025 ein Jahr der Kompromisse gewesen, unter anderem bei der Kostenerstattung für freie Schulen, sagte der Beauftragte. Nach Jahren ohne zufriedenstellende Lösung habe das Bildungsministerium 2024 zunächst erhebliche Kürzungen angedroht. Dies sei ein Schock gewesen und hätte etliche freie Schulen ernsthaft im Bestand gefährdet. „Im engen Austausch mit den Landtagsabgeordneten und Verbänden konnte dieser harte Schnitt verhindert werden“, sagte Steinhäuser. Im Februar 2025 gab es einen Kompromiss mit moderaten Kürzungen.
„2026 wird ein politisches Jahr für Sachsen-Anhalt, auch für uns als Kirchen“, sagte Steinhäuser mit Blick auf die Landtagswahl am 6. September. Er wünsche sich eine stärkere Auseinandersetzung „mit den inhaltlichen Präferenzen der Parteien“. Darüber müsse diskutiert werden. „Die Bürger sollten nicht auf vereinfachende Parteisprüche hereinfallen“, betonte er.
Nicht verhandelbar seien Punkte wie die Würde als Mensch, „ganz unabhängig von Herkunft, Religion oder Gesinnung“. Dies heiße auch, dass Politiker und Parteien „politischen Gegnern ihre Würde als Mensch und Bürger nicht absprechen“.