Sachsens Landessynode wählt Gunda Röstel zur Präsidentin
Dresden (epd).

An der Spitze der sächsischen Landessynode gibt es einen Wechsel: Die ehemalige Grünen-Bundessprecherin und Managerin Gunda Röstel ist am Samstag zur neuen Präsidentin des gesetzgebenden Gremiums gewählt worden. Die 64-Jährige erhielt auf der konstituierenden Tagung in Dresden im dritten Wahlgang 44 von 72 abgegebenen Stimmen.

Als Präsidentin der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens folgt sie auf Bettina Westfeld. Die Dresdner Historikerin war von der Kirchenleitung nicht wieder in die Landessynode berufen worden. Westfeld gehörte dem Gremium 24 Jahre an. Sie wurde von Sachsens Landesbischof Tobias Bilz offiziell verabschiedet.

Neues zulassen

Röstel ist seit 2004 Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden. Die gebürtige Sächsin gehört zu den 20 Synodalen, die von der Kirchenleitung im Frühjahr in das neue Kirchenparlament berufen wurden. Sie ist erstmals Mitglied einer Landessynode. Von Ende 1996 bis März 2000 war die studierte Sonderschulpädagogin eine der beiden Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen.

Die heutige Managerin sagte, es sei wichtig, „die Türen für Neues aufzumachen, ohne Angst“. Kirche muss ihrer Ansicht nach ein „Ort des Zuhörens und der Verständigung“ sein. Die Einheit der Kirche müsse dabei im Blick behalten werden. Eine wichtige Aufgabe sei zudem die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt: „Die evangelische Kirche hat lange genug gewartet, diesen Schritt zu gehen“, sagte Röstel. Jetzt müsse es vorangehen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte im März 2025 bundesweit einheitliche Richtlinien zu sogenannten Anerkennungsleistungen vorgelegt. Sachsens Landeskirche hatte erst mehr als ein Jahr später zugestimmt. Das Landeskirchenamt arbeitet derzeit an Ausführungsbestimmungen.

Synode nimmt Mitspracherecht wahr

Zur Tätigkeit der Synode sagte sie: „Wir haben schon ein Wörtchen mitzureden.“ Sie wolle nicht, dass es „das Oben und das Unten gibt“. Landeskirchenamt, Landesbischof und Landessynode könnten nur gemeinsam agieren. In den Ortsgemeinden kenne sie sich sachsenweit bisher nicht so gut aus, räumte Röstel ein. Aber sie setze auf die Unterstützung der Mitsynodalen.

Als Vizepräsidenten wählte das Kirchenparlament den Dresdner Pfarrer Christoph Herbst und den Rechtsanwalt Christoph Apitz aus Oelsnitz/Vogtland. Zur sächsischen Synode gehören 80 Mitglieder, 32 Frauen und 48 Männer. Das Gremium vertritt knapp 558.000 Protestanten und Protestantinnen in mehr als 300 Gemeinden und Kirchspielen. 60 Synodale wurden in den Regionen gewählt, 20 von der Kirchenleitung berufen. Eine Legislatur dauert sechs Jahre.

Westfeld hatte sich in ihrer Amtszeit als Präsidentin für weitere Strukturentscheidungen eingesetzt. Zuletzt hatte die Synode unter ihrer Leitung auf einer Sondertagung im März die Umsetzung von einheitlichen Anerkennungsrichtlinien der EKD für Betroffene sexualisierter Gewalt auf den Weg gebracht.

Von Katharina Rögner (epd)