Mit Gottesdiensten und Veranstaltungen begeht die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am Sonntag den sogenannten Israelsonntag. Der kirchliche Gedenktag steht unter dem Jahresmotto „Gottes Treue zum Volk Israel und zu den Völkern der Welt“ (Römer 11,25-32) und soll den jüdisch-christlichen Dialog stärken, wie das Landeskirchenamt in Erfurt am Mittwoch mitteilte. Zugleich werde der Verantwortung der Christen für jahrhundertelanges Leid an Juden gedacht.
Ein umfangreiches Programm bietet laut einer Kirchensprecherin bereits am Samstag das Gemeindezentrum „Wolke 14“ in Sonneberg. Geplant sind ein Gottesdienst zum Thema „Was glaubte Jesus?“, israelische Tänze, eine Gebetswanderung, ein Vortrag sowie ein gemeinsames Abendessen mit israelischen Speisen. Am Sonntag folgt dort ein Zentralgottesdienst.
Prägung des Gedenktags hat sich gewandelt
In Lutherstadt Wittenberg beginnt der gemeinsame Gottesdienst der Schloss- und Stadtkirchengemeinde den Angaben zufolge an der Stätte der Mahnung vor der Schlosskirche. Die Predigt hält der Leipziger Theologe Alexander Deeg, der als Experte für den christlich-jüdischen Dialog gilt. Weitere Gottesdienste finden unter anderem in Eisenach, Gera-Dorna und Bad Liebenwerda statt.
Der Israelsonntag knüpft an den jüdischen Gedenktag Tischa beaw an, der an die Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 erinnert. Während der früher auch „Judensonntag“ genannte Gedenktag lange antisemitisch geprägt war, wandelte sich sein Verständnis nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend. Heute stehen die Verbundenheit mit dem Judentum und das Eintreten gegen den Antisemitismus im Mittelpunkt.