Evangelische Kirche in Sachsen-Anhalt ruft zu Verständigung auf
Magdeburg, Dessau-Roßlau (epd).

Führende Vertreter der evangelischen Kirche in Sachsen-Anhalt haben angesichts von Spannungen und Sorgen nach der Landtagswahl zu Mut und Verständigung aufgerufen. Notwendig seien offene Gespräche mit Respekt, erklärten Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer von der Evangelischen Landeskirche Anhalts und Synodenpräses Jan Brademann sowie der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer und seine Regionalbischöfe Johann Schneider und Bettina Schlauraff in Hirtenbriefen am Freitag in Dessau-Roßlau und Magdeburg.

„Aus tiefster Überzeugung möchten wir als Kirche Menschen zusammenführen, die unterschiedliche Sichtweisen haben und sich gegenseitig zugestehen, dass sie irren können“, heißt es in dem Papier der anhaltischen Kirche. Zudem sollen die Gemeinden in Anhalt ermutigt werden, „Kirchen und Gemeindehäuser bewusst als geschützte Räume, als Orte des gemeinsamen Hörens und der Verständigung, zu öffnen“.

Spannungen offen ansprechen

Die Bischöfe der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland erklärten: „Wir bestärken Sie darin, Spannungen offen anzusprechen und Wege der Verständigung zu suchen.“ Dabei gehe es nicht darum, „vorschnelle Antworten zu geben, sondern einander aufmerksam und respektvoll zu begegnen“. Es komme nun darauf an, beieinanderzubleiben und dazu beizutragen, „dass alle hier menschenwürdig leben können“.

„In der Nachfolge Jesu müssen wir Stimme sein für diejenigen, die wenig gehört und an den Rand gedrängt werden“, heißt es weiter im Hirtenbrief der mitteldeutschen Bischöfe: „Wir müssen erkennbar einstehen für alle, die jetzt bedroht sind und Angst haben.“ Vor der Wahl hätten sich viele Menschen für ein freies, weltoffenes Miteinander und für liberale Demokratie eingesetzt. Viele hätten immer wieder den Dialog gesucht und dabei Solidarität und Ermutigung erfahren. Für all Ihr Engagement gebühre ihnen Dank.

„Trost, Verständigung und Hoffnung“

Gerade in Zeiten von Anspannung und Zerstrittenheit könne die Kirche den Menschen „helfen, zur Ruhe zu kommen, ihre Gedanken und Gefühle vor Gott zu bringen und neue geistliche Orientierung zu finden“, heißt es weiter im anhaltischen Hirtenbrief. Es gehe nicht darum, Antworten geben zu müssen, sondern aufmerksam zuzuhören. Christen sollten zur Hoffnung anregen.

„Unsere Kirchen sollen und können Orte sein, an denen Menschen unabhängig von Herkunft, Überzeugung, Lebenssituation und Wahlentscheidung herzlich willkommen sind“, erklärten Wolkenhauer und Brademann. So könnten die Gemeinden „in herausfordernden Zeiten sichtbare Zeichen von Trost, Verständigung und Hoffnung setzen“.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September erhielt die AfD 43,8 Prozent der Stimmen und wurde damit zur mit Abstand stärksten Partei im Bundesland. Die AfD ist dort vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Die evangelische Kirche steht der AfD kritisch gegenüber.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)