Dauerausstellung zur judenfeindlichen Schmähplastik
Wittenberg (epd).

In der Wittenberger Stadtkirche St. Marien wird am Dienstag eine Dauerausstellung mit dem Titel „Riss in Stein“ zur judenfeindlichen Schmähplastik am Gebäude eröffnet. Damit solle die Auseinandersetzung mit dem Relief und der Geschichte des Antisemitismus gefördert werden, teilte die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt am Donnerstag in Wittenberg mit.

Die Kirchengemeinde hatte sich nach intensiven Beratungen dazu entschieden, die etwa 1290 angefertigte Reliefplatte mit der sogenannten Judensau nicht zu beseitigen. Vielmehr sollte der bereits 1988 errichtete Gedenkort zum Holocaust vor der Kirche als „Stätte der Mahnung“ weiterentwickelt werden, hieß es.

Die Ausstellung in der Sakristei der Kirche wurde den Angaben zufolge gemeinsam von Kirchengemeinde und Evangelischer Akademie erarbeitet, um die mittelalterliche Schmähplastik historisch und theologisch einzuordnen. Gefragt werde etwa nach der Verantwortung der Kirche und den Folgen christlicher Judenfeindschaft bis heute. Dazu gehöre auch der kritische Blick auf antisemitische Ansichten des Reformators Martin Luther (1483-1546).

Lern- und Erinnerungsort

Zur Ausstellungseröffnung werden unter anderem die Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Katharina von Schnurbein, Landesrabbiner Daniel Fabian und Sachsen-Anhalts Ansprechpartner für jüdisches Leben, Wolfgang Schneiß, erwartet. Die Ausstellung solle ein lebendiger Lern- und Erinnerungsort für Einheimische, Gäste, Schulklassen und Reisegruppen werden, hieß es weiter. Ab Mittwoch (11. November) ist sie zu den Öffnungszeiten der Stadtkirche zu besichtigen.