Bischof warnt vor weiteren Defiziten für mitteldeutsche Kirche
Erfurt (epd).

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) muss unvorhergesehene Einnahmeausfälle bewältigen. Der Mitgliederrückgang werde mit jährlich 4,5 Prozent um einen Prozentpunkt höher ausfallen als bei der Haushaltsaufstellung erwartet worden sei, sagte Landesbischof Friedrich Kramer zum Auftakt der diesjährigen Frühjahrssynode der Landeskirche am Donnerstag in Erfurt. Demnach werde die EKM in den kommenden fünf Jahren mit Einnahmen von nur noch 207 Millionen Euro statt der prognostizierten 217 Millionen Euro rechnen können. Laut Kramer muss weiter gespart werden.

Zudem verwies Kramer auf die Bedeutung der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang September. In den Kirchengemeinden sollte verstärkt darüber aufgeklärt werden, was es heißen würde, wenn das AfD-Regierungsprogramm umgesetzt werde, forderte der leitende Geistliche. Daneben sollten die für diesen Fall dringend benötigten Beratungs- und Schutzstrukturen für diejenigen aufgebaut werden, die sich Bedrohungen und Angriffen ausgesetzt sehen. Das betreffe Mitarbeitende sowohl im Haupt- wie im Ehrenamt.

Kramers Einschätzung, die AfD strebe die Schaffung einer illiberalen und autoritären Demokratie an, wurde von Teilen der Synode zurückgewiesen. Eine solche Staatsform, so die Argumentation der Kritiker dieser Aussage, sei nicht demokratisch. Daher solle die Kirche diesen Begriff aus der Politikwissenschaft nicht verwenden.

Stärkung des Ehrenamts

In ihrem Bericht aus dem Sprengel Magdeburg forderten Regionalbischöfin Bettina Schlauraff und Regionalbischof Johann Schneider im Prozess der strukturellen Veränderungen mehr Aufmerksamkeit für das Ehrenamt in der Landeskirche: Ehrenamtliche, die Gemeinden anvertraut bekommen und damit viel Verantwortung erhalten, müssten stärker in den Fokus des kirchlichen Handelns gerückt werden. Sie seien es oftmals, die das geistliche Leben aufrechterhalten. Es brauche Netzwerke, Zugänge zu Informationen und Ressourcen, um die Aktiven zu selbstbestimmtem Handeln zu befähigen.

Auch brauche es, so Schlauraff, in Zeiten, in denen mehr experimentiert wird, eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit: Es brauche eine Praxis der Vergebung, damit die Kirche mitten in dem Ringen um den guten Weg zusammenbleibe. Die oft genannte Fehlerfreundlichkeit bleibe sonst ein theoretisches Konstrukt und wirke weltfremd.

Gewaltschutzgesetz wird angepasst

Für den Abend hatte die Synode unter anderem die ethischen Leitlinien für die Seelsorge in der EKM und Änderungen am innerkirchlichen Gewaltschutzgesetz auf der Tagesordnung. Ziel der Anpassung des Gewaltschutzgesetzes sei ein einheitliches Verfahren in den Landeskirchen, auch im Sinne der Betroffenen, etwa durch gemeinsame regionale Verbünde. Hintergrund sind laut Landeskirchenamt unter anderem Erkenntnisse der FORUM-Studie und Weiterentwicklungen im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt. Da einzelne Regelungen der Richtlinie nicht mit dem bisherigen Gesetz der EKM vereinbar sind, wird eine Gesetzesänderung notwendig.

Alle Themen sollen zunächst in Ausschüssen weiter beraten werden. Die Beschlussfassungen sind für Samstagvormittag vorgesehen.

Von Matthias Thüsing (epd)