Bischof Bilz mahnt Journalisten zur Sorgfalt
Leipzig (epd).

Sachsens Landesbischof Tobias Bilz appelliert an die Sorgfalt und Gründlichkeit kirchlicher Medien. Bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Kirchenzeitung „Der Sonntag“ plädierte er für ein „genaues Hinschauen“. Vieles gehe ihm im Journalismus zu schnell, Medienanfragen hätten eine immer kürzere Frist. „Wir verlieren die Gründlichkeit, wir müssen der Wahrhaftigkeit verpflichtet sein“, sagte Bilz am Freitag in Leipzig.

Der Bischof betonte zudem: „Es kann unter uns wirklich diskursiv sein.“ Es gebe die „große Chance der Kirche“, einen Diskursraum zu praktizieren - gerade mit Hilfe von Medien. Zudem plädierte der Bischof für respektvolle Kritik: „Die kritische Presse bewahrt uns vor einer falschen Harmonie“, sagte er. Was er nicht verstehe sei, „wenn Medien den Diskurs verschärfen“. Vom „Sonntag“ erwarte er, „dass er das Wohl der Kirche im Blick hat“.

Anstand und Vertrauen wichtig

Die ehemalige Synodalpräsidentin Bettina Westfeld sagte auf dem Podium: „Gerade ein kirchliches Medium sollte sich durch ausgesprochen viel Anstand auszeichnen.“ Vertrauenswürdigkeit sei „ein Pfund, mit dem evangelische Medien wuchern können“. Sie erwarte eine „respektvolle Klarheit“.

Mit einer Festveranstaltung in Leipzig hat die sächsische kirchliche Wochenzeitung „Der Sonntag“ am Freitag ihr 80-jähriges Bestehen gefeiert. In einem Vortrag betonte der evangelische Theologe und Autor Roland Rosenstock mit Blick auf die Digitalisierung die Herausforderungen auch für kirchliche Medien. „Die Zukunft ist crossmedial“, sagte Rosenstock, der Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald ist.

Rosenstock plädierte für gemeinsame Recherchen und gemeinsame Produkte, wo es sinnvoll ist. „Bundesweite Kooperationen können Kirchenzeitungen retten“, sagte der Theologe. Den „Sonntag“ würdigte er als ein Medium, das „Brüche nicht verschweigt“ und über Engagement berichtet, Zweifel zulässt und Kirche hilft, im Gespräch zu bleiben.

Plädoyer für Klarheit und Wahrheit

In der Diskussionsrunde zu kirchlichen Medien sagte der Erfurter Sozialforscher Hermann Binkert: Es erfordere nicht mehr Mut, Klarheit zu zeigen. „Aber es ist wichtig, Positionen zu vertreten“ sowie Offenheit und den Dialog zu pflegen. Binkert ist Geschäftsführer des 2009 gegründeten Markt- und Sozialforschungsinstituts Insa-Consulere.

Bei der Festveranstaltung wurde zudem der Evangelische Medienpreis 2026 an die Gemeinde Dresden-West für ihren Gemeindebrief „Westwind“ verliehen. Diese verbreite „innovative Inhalte mit einer zugleich theologisch fundierten und modernen Ansprache“, teilte der Evangelische Medienverband in Sachsen mit.

Geehrt wurden zudem die Gemeinde Großrückerswalde für ihr „Kirchenblatt“ sowie die Kirchgemeinde Schneeberg-Neustädtel-Griesbach für die grafische Gestaltung der Publikation „Kirchenblättel“. In diesem Jahr stand der Medienpreis unter dem Motto „Mutausbruch“.

„Der Sonntag“ erschien erstmals am 16. Juni 1946. Herausgeber ist heute der Evangelische Medienverband in Sachsen mit Sitz in Leipzig. Das kirchliche Medium erscheint in Kooperation mit anderen Kirchenzeitungen.

Von Katharina Rögner und Jens Büttner (epd)