Zuwanderer beleben Arbeitsmarkt in Brandenburg
Potsdam (epd).

Zuwanderung trägt in Brandenburg einer Studie zufolge zur Stabilisierung des Arbeitsmarkts bei. Der Beschäftigungszuwachs im Bundesland werde maßgeblich von ausländischen Arbeitskräften getragen, heißt es im ersten umfassenden Lagebild zum Thema Zuwanderung und Integration für Brandenburg, das am Dienstag in Potsdam vom Integrationsministerium veröffentlicht wurde.

Knapp zwölf Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seien inzwischen Arbeitskräfte aus dem Ausland, heißt es in dem 280 Seiten umfassenden Bericht. Dies liege deutlich über dem gut sieben Prozent betragenden Anteil Zugewanderter an der Bevölkerung in Brandenburg.

EU-Osterweiterung

Der größte Anteil ausländischer Beschäftigter im Land stamme bislang aus den Staaten der EU-Osterweiterung, heißt es im Lagebild. Neben dem Zuzug von Arbeitsmigrantinnen und -migranten trügen vor allem Menschen mit humanitärem Aufenthaltsstatus dazu bei, verschiedene Berufssektoren und Wirtschaftszweige zu stabilisieren und den Rückgang deutscher Beschäftigter zumindest teilweise zu kompensieren.

Der Anteil Zugewanderter habe sich in Brandenburg im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdreifacht, liege jedoch weiter deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 14,8 Prozent, heißt es dort weiter. Bei internationalen Studierende verzeichne das Bundesland mit einem Anteil von 26,2 Prozent einen bundesweiten Spitzenwert. Fast die Hälfte davon studiere Ingenieurwissenschaften.

Geringere Einkünfte

Geflüchtete verblieben keineswegs dauerhaft im Sozialleistungsbezug. Die Arbeitslosenquote unter Menschen aus Asylherkunftsländern sei von einem Höchststand von 75,6 Prozent im April 2016 auf 33,1 Prozent im Jahr 2021 gesunken, heißt es. Ausländische Vollzeitbeschäftigte verdienten im Mittel jedoch rund 550 Euro weniger als der brandenburgische Durchschnitt, ein erheblicher Teil sei zudem in konjunkturanfälligen Branchen tätig.

Aufgrund des demografischen Wandels, sinkender Beschäftigtenzahlen unter deutschen Arbeitskräften und des allgemeinen Arbeitskräftemangels in bestimmten Branchen werde der brandenburgische Arbeitsmarkt auch in Zukunft zunehmend auf Zuwanderung und die erfolgreiche Integration bereits Zugewanderter angewiesen sein, heißt es im Lagebild weiter.

Weichen für Integration stellen

Integrationsminister René Wilke (SPD) betonte, die Zahlen zeigten, dass Zuwanderung für Brandenburgs Gesellschaft und Wirtschaft längst kein Randphänomen mehr sei, „sondern ein strukturelles Fundament“. Mit dem Lagebild sei es nun möglich festzustellen, „was in Brandenburg funktioniert, wo Handlungsbedarf besteht und welche Weichen wir stellen müssen“.

Dort wird unter anderem empfohlen, sichere Beschäftigungsverhältnisse für Zugewanderte zu fördern. Damit könne dazu beigetragen werden, dass sie zeitliche und finanzielle Ressourcen für gesellschaftliche Teilhabe haben. Zugleich entstehe so ein alltäglicher Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte.

Auch das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung von Zuwanderung für den brandenburgischen Arbeitsmarkt müsse gestärkt werden, wird in der Studie empfohlen. Zudem sollte eine faire Bezahlung von Zugewanderten auf dem Arbeitsmarkt sichergestellt werden.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)