Bürgerinitiative sieht NS-Gedenkort im Dresdner Norden gefährdet
Dresden (epd).

Die Bürgerinitiative „Nordpark“ sorgt sich um den Dresdner NS-Gedenkort Hellerberg. Grund dafür sei der geplante Verkauf eines Nachbargrundstücks an Sachsen Energie, sagte Bettina Bruschke von der Initiative am Dienstag in Dresden. Dies wirke der weiteren Entwicklung einer Gedenkstätte Hellerberg entgegen. Der Dresdner Stadtrat hatte dem Verkauf zugestimmt.

Seit Jahren wird um einen würdigen Gedenkort im Dresdner Norden gerungen. Auf dem Areal befand sich in der NS-Zeit das „Judenlager Hellerberg“, in dem Ende 1942 bis März 1943 fast 300 Jüdinnen und Juden interniert waren. Wenige Monate später dienten die einst als Materiallager genutzten Baracken der Firma Zeiss Ikon als Entbindungslager für Zwangsarbeiterinnen. Für 225 neugeborene Kinder wurde nachgewiesen, dass sie im „Entbindungslager Kiesgrube“ gestorben sind.

Ehemaliges Lagergelände kaum zugänglich

Möglicherweise entsteht nun in unmittelbarer Nähe des NS-Unrechtsortes ein Umspannwerk von Sachsen Energie. Das ehemalige Lagergelände ist komplett mit Gras und Bäumen zugewachsen und derzeit kaum zugänglich. Die Baracken waren 1950 abgerissen worden. Der Platz diente danach als Müll- und Bauschuttablage.

Der Dresdner Superintendent Albrecht Nollau verwies darauf, dass es würdige Gedenkorte braucht. „Es ist ein Tatort, dieser Ort muss lesbar gemacht werden“, sagte er mit Blick auf das ehemalige Lagergelände. In einem offenen Brief ruft die Initiative dazu auf, einen angemessenen Erinnerungsort zu gestalten und die Geschichte ins Bewusstsein der Dresdner Bevölkerung zurückzuholen.