Uta Bretschneider leitet Zukunftszentrum Deutsche Einheit
Berlin (epd).

Die Soziologin und Kulturwissenschaftlerin Uta Bretschneider wird Programmdirektorin des neuen Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und europäische Transformation in Halle an der Saale. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Elisabeth Kaiser (SPD), sagte am Mittwoch bei der Vorstellung Bretschneiders in Berlin, „das Zukunftszentrum soll ein lebendiger, offener Ort mit nationaler und europäischer Strahlkraft werden. Damit legen wir nun richtig los.“

Eine „großartige Idee brauche großartige Menschen“, sagte Kaiser weiter. Bretschneider stehe für „innovative Ansätze und Ideen“ und überzeuge mit ihrer „mitreißenden Herangehensweise an die Themen des Zukunftszentrums“.

„Enorme Herausforderung“

Die 41-Jährige war bislang Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, eine Außenstelle des Hauses der Geschichte in Bonn. In Halle wird sie ab 1. Mai als Programmdirektorin und Sprecherin der Geschäftsführung für die inhaltliche Ausrichtung der im Aufbau befindlichen Einrichtung des Bundes zuständig sein.

Die künftigen 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in einem 14.000 Quadratmeter großen Neubau nahe dem Hauptbahnhof in den Bereichen Forschung, Ausstellung, Bildung und Dialog arbeiten. Für den vom Bund finanzierten Neubau werden 277 Millionen Euro veranschlagt. Baubeginn soll 2028 sein, die Eröffnung ist für 2032 geplant.

Die im Februar 1985 in Burgstädt bei Chemnitz geborene Bretschneider sagte, sie freue sich auf diese „enorme Herausforderung“. „Wir wissen noch zu wenig voneinander“, sagte sie. Das Zukunftszentrum werde ein „vielstimmiger und vielsprachiger Ort“ sein, der auch zur „Heilung“ gesellschaftlicher Wunden aus dem Wiedervereinigungsprozess von Ost und West beitragen wolle. Es werde der Ort sein, an dem individuelle Sichtweisen und Forschungsergebnisse zusammenkommen.

Transformationerfahrungen nutzbar machen

Die Ostbeauftragte sagte, die Forschungs- und Bildungseinrichtung werde sich die Transformationserfahrungen in Ostdeutschland und Osteuropa für die jetzigen Zukunftsaufgaben nutzbar machen. Viele Ostdeutsche beklagten, es fehle immer noch an Würdigung für ihre Aufbauleistung in den vergangenen 35 Jahren und es mangele an der Bereitschaft, ihnen zuzuhören. „Das Zukunftszentrum zeigt, dass das nicht so ist“, sagte Kaiser.

Uta Bretschneider hat Volkskunde/Kulturgeschichte und Soziologie in Jena studiert. Sie promovierte über Flüchtlinge und Vertriebene als Neubauern in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR. Zu ihren bisherigen beruflichen Stationen gehören das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden und das Hennebergische Museum Kloster Veßra in Thüringen. Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig leitete sie seit 2020. Ihr Vertrag am Zukunftszentrum ist zunächst auf drei Jahre befristet.

Aufbauteam

Derzeit arbeitet in Halle ein etwa 15-köpfiges Team am Aufbau des Zukunftszentrums. Zum kaufmännischen Geschäftsführer war im Oktober 2025 Holger Lemme berufen worden. Der gebürtige Hallenser war zuvor Verwaltungsleiter der Stiftung Bauhaus Dessau.

Von Markus Geiler (epd)