Das Netzwerk für Demokratie und Vielfalt tvbunt kritisiert die Entscheidung des Bautzener Stadtrats, die Finanzierung einer Streetworker-Stelle im Stadtteil Gesundbrunnen einzustellen. Die Stadt entziehe ausgerechnet dort die Mittel, wo der Handlungsbedarf am größten sei, heißt es in einer am Montag in Bautzen verbreiteten Erklärung. Der Bautzener Stadtteil sei kein neutraler Raum, sondern Brennpunkt einer Stadt, in der rechtsextreme Gruppierungen einen „Nazi-Kiez“ etablieren wollten.
So ordne der sächsische Verfassungsschutz die in Bautzen aktive Gruppierung „Urbs Turrium“ als derzeit aktivste rechtsextremistische Gruppe im gesamten Freistaat ein. „Urbs Turrium“ rufe offen einen „Nazi-Kiez“ für die gesamte Stadt aus und versuche, öffentliche Räume ideologisch zu besetzen.
Massive Einschüchterungen
„Uns liegen Berichte von Jugendlichen vor, die im Gesundbrunnen massiv eingeschüchtert werden“, erklärte das Netzwerk. In einem solchen Umfeld sei professionelles Streetwork „keine freiwillige Leistung, sondern eine demokratische Notwendigkeit“.
Die Streetworker-Stelle ist seit September 2025 am Mehrgenerationenhaus (MGH) des Evangelisch-Lutherischen Kirchspiels Bautzen angesiedelt. Gefördert wurde sie bislang von der Stadt mit 59.000 Euro. Auf Antrag des Bürgerbündnisses Bautzen (BBBZ) wird die Förderung 2026 eingestellt. Das Bündnis sieht den Landkreis zuständig für die weitere Finanzierung.
An der falschen Stelle gespart
Eine Sprecherin von tvbunt kritisierte, hier werde „an der völlig falschen Stelle gespart“. Streetworker Marcus Döring habe trotz widriger Umstände in kurzer Zeit bereits viel erreicht.