Nur noch 62 Prozent der Berliner zufrieden mit jetziger Demokratie
Berlin (epd).

Zunehmende Ablehnung der Demokratie, breite Zustimmung zu antiziganistischen und antisemitischen Aussagen: Der am Montag vorgestellte Berlin-Monitor 2025 rüttelt am Selbstverständnis der Hauptstadt als weltoffene Metropole. Nur noch 62 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sind „alles in allem zufrieden“ mit der jetzigen Demokratie, sieben Prozent weniger als noch beim letzten Monitor aus dem Jahr 2023. Nur noch 86 Prozent (2023: 90 Prozent) der Befragten bewerteten die Demokratie als bestes System, sagten die Studienautoren Gert Pickel und Oliver Decker.

Zudem würden 40 Prozent als fragile Demokraten eingestuft, zwölf Prozent seien Autokraten. Im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt der Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 seien in Berlin doppelt so viele Menschen autokratisch eingestellt. Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) äußerte sich besorgt über diese Entwicklung: „Demokratie ist nicht gefährdet, aber sie ist nicht mehr selbstverständlich.“

Teils höhere Werte als in Ostdeutschland

Die drei gemessenen Dimensionen rechtsextremer Einstellungen - Zustimmung zu einer rechtsautoritären Diktatur, Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit - sind jedoch im Vergleich zur letzten Studie aus dem Jahr 2023 zurückgegangen.

Im Vergleich mit den west- und ostdeutschen Daten einer Leipziger Studie weisen die Berlinerinnen und Berliner mit 8,7 Prozent den höchsten Wert bei der Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur auf. Auch stimmte fast jede vierte Person in Berlin chauvinistischen Aussagen zu, ebenfalls Höchstwert im Vergleich der drei Regionen. Nur bei der Ausländerfeindlichkeit (15,1 Prozent in Berlin) steht Ostdeutschland (34,6 Prozent) an der Spitze.

„Äußerst besorgniserregend“

Fokus des Berlin-Monitors waren zudem antisemitische und antiziganistische Einstellungen. Fast die Hälfte (47,7 Prozent) der Befragten stimmte der Aussage zu, dass sich lieber mit gegenwärtigen Problemen befasst werden sollte als mit dem Holocaust. Eine Zunahme antisemitischer Aussagen wird seit dem Jahr 2023 festgestellt, als Israel von der islamistischen Hamas überfallen wurde und in der Folge einen Krieg im Gaza-Streifen führte. Antisemitismus sei weiterhin am meisten unter Anhängern der extremen Rechten verbreitet.

Zudem hegten zwischen 25 und 30 Prozent abwertende Einstellungen gegenüber Sinti und Roma. Etwa 42 Prozent der Befragten befanden, dass die ethnische Minderheit selbst an ihrer Diskriminierung mitschuldig sei. Die Ansprechperson des Landes für Antiziganismus, Alina Voinea, nannte die Ergebnisse „äußerst besorgniserregend“.

Niedriger Migrationsanteil unter Befragten

Die Studienreihe befragt zu politischen Einstellungen, Möglichkeiten der Partizipation, Vorurteilen, aber auch Diskriminierungserfahrungen. Bei der diesjährigen Ausgabe handelt es sich um die vierte repräsentative Erhebung. Für die Studie wurden im vergangenen Sommer insgesamt 2.022 volljährige Berlinerinnen und Berliner befragt.

81 Prozent der Befragten hätten eine deutsche Staatsbürgerschaft ohne Migrationshintergrund besessen, nur drei Prozent seien Ausländer gewesen. In Berlin lebten zuletzt allerdings knapp 42 Prozent mit einem Migrationshintergrund, rund 25 Prozent der Hauptstädter besitzen keinen deutschen Pass.

Von Jonas Grimm (epd)