Medienkongress berät über KI und Angebote für junge Menschen
Leipzig (epd).

Der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sieht Politik und Medien mit Blick auf das digitale Zeitalter unter einem deutlichen Handlungsdruck. Trotz veränderter Kommunikationsformen müssten Menschen erreicht werden, sagte Voigt am Mittwoch in Leipzig bei den Medientagen Mitteldeutschland. Die demokratische Gesellschaft brauche Meinungsvielfalt und ein verlässliches Medienangebot.

Fakten seien verhandelbar - „das ist nicht in Ordnung“, kritisierte Voigt. Eine „institutionelle Schwächung“ fordere die Gesellschaft heraus. Medien und Politik lebten aber von einem Vertrauen, das sie nicht einbüßen dürften. Zudem agierten Plattformen ohne Kontrolle und es fehle an Verantwortungsbewusstsein. Der CDU-Politiker forderte: „Wir müssen auch über die Frage von Klarnamen im digitalen Zeitalter reden.“

Kompetenz für Medien stärken

ZDF-Intendant Norbert Himmler nannte Mediennutzungskompetenz „eines der zentralen Stichworte“. Es müsse klar werden, worin der Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichen Angeboten und digitalen Plattformen bestehe. „Wir sind nicht käuflich“, sagte Himmler: „Wir werden dafür überwacht, dass wir einen demokratiefördernden Job machen.“ Dies müsse deutlich werden.

Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hatte zu Beginn des Kongresses am Mittwoch die Bedeutung einer vielfältigen Medienlandschaft betont. Mit Blick auf den digitalen Wandel sagte er, statt Vielfalt gebe es „eine Verengung und Konzentration“.

Die Medienlandschaft erleide einen „Achsbruch“. Der Wandel vollziehe sich disruptiv und rasant, sagte Weimer. Klassische Medien wie Zeitungen, Magazine, Radio und Fernsehen stünden „fundamental unter Druck“. Der Kulturstaatsminister forderte eigene europäische Plattformen in „namhafter Größe“. Das betreffe auch die öffentlich-rechtlichen Medien.

Debatte zu Social-Media-Verbot

Der Publizist und Blogger Sascha Lobo bescheinigte Deutschland einen enormen Nachholbedarf beim Thema Künstliche Intelligenz (KI). „Wir brauchen viel radikalere und offensivere Investitionen“, sagte Lobo auf dem Medienkongress. Er forderte eine „Kultur des Ausprobierens“.

Diskutiert wurde auf dem Kongress auch ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren nach dem Vorbild Australiens. Sandra Singer von Sky Deutschland lehnte das ab: Ein pauschales Verbot greife zu kurz und sei „der falsche Weg“. Vielmehr seien Produkte für Kinder und Jugendliche sicher zu machen.

Auch Lobo nannte ein Verbot „falsch und schädlich“. Enthaltsamkeit bei der Nutzung von Plattformen sei „in fast keinem Bereich sinnvoll“, sagte er. Vielmehr sollte es für Schulkinder bundesweit ab der zweiten Klasse verpflichtende Medienbildung geben.

Junge Perspektiven

Ein Thema der Medientage sind junge Perspektiven. Die Initiative „Beyond News“ stellte ihre „Forderungen für den Journalismus für morgen“ vor. Rund 150 junge Journalistinnen und Journalisten aus ganz Deutschland hatten sich 2025 zu einer von der ARD initiierten Konferenz getroffen und Fragen ihrer Branche diskutiert. Unter anderem fordern sie mehr journalistische Angebote für Menschen unter 25 Jahren und Möglichkeiten für eine Mitgestaltung dieser Zielgruppe.

Von Katharina Rögner (epd)