Mit einem Maßnahmenpaket will der Berliner Senat Gewalt und religiösen Druck an den Schulen bekämpfen. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) stellte am Donnerstag einen entsprechenden „13-Punkte-Plan für sichere Schulen“ vor. Dies sei eine Konsequenz aus den Ergebnissen des sogenannten Konflikt- und Gewaltbarometers, sagte sie. Vorgesehen sind etwa Präventionsprogramme, einheitliche Konsequenzen nach Gewaltvorfällen sowie Mindeststandards für Hausordnungen an Schulen.
Mit dem Maßnahmenpaket wurde auch der Abschlussbericht des Berliner Konflikt- und Gewaltbarometers vorgestellt. Für die repräsentative Studie befragte das Institut für Demoskopie Allensbach zwischen November 2025 und Januar 2026 mehr als 14.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 2.500 Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende.
Rund zwei Drittel der Lehrkräfte berichteten demnach von einer Zunahme von Gewalt. Den Daten zufolge empfindet ein gutes Viertel des schulischen Personals es als ein großes Problem, dass Schülerinnen und Schüler religiöse Regeln über die Regeln der Schule oder Gesetze stellen würden.
Aufsicht von Gebetsräumen soll geprüft
„Mobbing, Cybermobbing sowie religiöser Konformitätsdruck sind ein großes Problem an unseren Schulen“, sagte Günther-Wünsch. Sicherheit und Bildungsqualität bedingten einander. Antisemitische, extremistische und religiös aufgeladene Konflikte verlangten „zusätzliche Zugänge“, heißt es in dem 13-Punkte-Plan. Demnach sollen berlinweite Mindeststandards für Hausordnungen festgelegt werden, die auch den Umgang mit religiösen Praktiken regeln.
Das hohe Gut der Religionsfreiheit werde weiterhin geschützt, betonte Günther-Wünsch. Aber religiöser Druck auf andere werde nicht akzeptiert. Im Zuge der Umsetzung der Maßnahmen sollen auch die Aufsicht sowie rechtlichen Möglichkeiten zur Untersagung von Gebetsräumen geklärt werden.
Auch Eltern einbeziehen
Der 13-Punkte-Plan enthält zudem eine Reihe von Präventionsmaßnahmen. So ist etwa ein Ausbau von sogenannten Temporären Lerngruppen Plus (TLG+) vorgesehen. Dabei handelt es sich um Programme zur Förderung von Sozialkompetenz und emotionaler Stabilität. Mit mehr Familienklassenzimmern sollen zudem die Eltern einbezogen werden. „Wir wollen auch die Elternhäuser gewinnen und dafür sensibilisieren, wo Probleme und Herausforderungen entstehen“, sagte der an der Erstellung des Maßnahmenpakets beteiligte Psychologe Ahmad Mansour. Gewalt in der Schule habe ihren Ursprung häufig zu Hause.
Für den Umgang mit Schülern mit hohem Hilfsbedarf und einem großen Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung sollen spezielle pädagogisch-therapeutische Jugendhilfeeinrichtungen geschaffen werden. Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre sieht das Papier auch die Überprüfung und Verschärfung von Ordnungsmaßnahmen bei auffälligen Schülern vor.
Bußgeld für Schulschwänzer
Auch geklärt werden soll, wie Anti-Gewalt-Trainings oder sozialpädagogische Intensivmaßnahmen verbindlich angeordnet werden können. „Soweit dafür eine neue gesetzliche Grundlage erforderlich ist, muss diese geschaffen werden“, heißt es in dem Papier. Eine einheitliche Bußgeldpraxis für Schüler, die häufig im Unterricht fehlen, ist ebenfalls geplant.