Leipzig ringt nach Amokfahrt um Fassung
Leipzig (epd).

Trauer um die beiden Getöteten und die teils Schwerverletzten hat den Tag nach der Amokfahrt in der Leipziger Fußgängerzone bestimmt. Polizei und Staatsanwaltschaft gaben am Dienstag Details über den mutmaßlichen Täter und die Folgen der Gewalttat vom Montagabend bekannt. In Kirchen und an spontan entstandenen Gedenkorten in der Innenstadt kamen Hunderte Menschen zusammen, um ihre Trauer auszudrücken und der Opfer zu gedenken, darunter Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Am Montagnachmittag war ein 33-jähriger Mann mit seinem Auto vom Augustusplatz aus rund 500 Meter durch die Fußgängerzone Grimmaische Straße in Richtung Marktplatz gerast. Oberbürgermeister Jung sagte: „Wir sind fassungslos angesichts dieser entsetzlichen Gewalttat, die unsere Stadt ins Mark getroffen hat.“ Leipzig stehe zusammen.

Jung dankte den Einsatzkräften und den zahlreichen Helferinnen und Helfern sowie für die große Anteilnahme weit über Leipzig hinaus. Der evangelische Landesbischof Tobias Bilz unterstrich: „Solche Taten treffen uns ins Mark, sie erschüttern unser Vertrauen in Sicherheit.“ Zugleich wachse in Momenten größten Leids oft „eine besondere Kraft der Solidarität“.

Zwei Tote und sechs Verletzte

Bei der mutmaßlichen Amokfahrt vom Montag wurden laut Polizei und Staatsanwaltschaft zwei Menschen getötet und sechs verletzt. Bei den Getöteten handelt es sich um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann. Schwer verletzt wurden demnach ein 75-jähriger Mann und eine 84 Jahre alte Frau. Zudem müssten mehr als 80 Augenzeuginnen und Augenzeugen sowie weitere Beteiligte aufgrund des Erlebten betreut werden.

Oberbürgermeister Jung betonte, Hilfe für die Opfer und deren Angehörige habe jetzt Priorität. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen richtete Sonderrufnummern ein, um Fälle der akuten Krisenversorgung vom Versorgungsspektrum der Bereitschaftsdienstnummer abzugrenzen.

Bereits polizeilich aufgefallen

Der tatverdächtige Autofahrer war laut Polizei und Staatsanwaltschaft jüngst bereits polizeilich aufgefallen, und zwar wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld. Am 17. April habe es einen Polizeieinsatz nach einem Anruf des 33-Jährigen gegeben. Danach sei dieser „aufgrund seines psychischen Zustandes und mit seiner Zustimmung“ in einem Fachkrankenhaus aufgenommen und dort bis zum 29. April behandelt worden.

Nach der Amokfahrt wird nun wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs gegen den Beschuldigten ermittelt. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Hinweise auf ein politisches oder religiöses Motiv gebe es nicht. Ein Ermittlungsrichter ordnete am Abend die einstweilige Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Kirchen als Orte der Trauer

Zu einer ökumenischen Gedenkandacht kamen am Dienstagabend mehrere Hundert Menschen in der Nikolaikirche in unmittelbarer Nähe zum Anschlagsort 24 Stunden vorher zusammen. Schon tagsüber hatten viele Menschen diese und die benachbarte Universitätskirche aufgesucht, um Kerzen zu entzünden und der Trauer Ausdruck zu geben.

Von Katharina Rögner und Linn Manegold (epd)