In Berlin haben 2025 rund 177.000 Geflüchtete gelebt. Damit besteht die Bevölkerung der Hauptstadt zu etwa fünf Prozent aus Geflüchteten, sagte die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial am Mittwoch. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 1.736 Personen leicht zurückgegangen. Die größte Einzelgruppe, ukrainische Geflüchtete, wuchs um 5.235 auf 57.070 Menschen an.
Mehr als 30 Prozent der Geflüchteten leben den Daten zufolge seit mehr als fünf Jahren in Berlin, 17 Prozent sogar zehn Jahre oder länger. Für die Fluchtreferentin Anne-Marie Kortas ein Zeichen, dass „Berlin nicht nur eine Stadt des Ankommens, sondern auch des Bleibens“ sei.
25 Prozent Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche machten rund ein Viertel der Geflüchteten aus. Jedoch kämen aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine auch mehr Seniorinnen und Senioren nach Deutschland. Mittlerweile seien sechs Prozent der Geflüchteten in der Hauptstadt 65 Jahre und älter. Die meisten Menschen befänden sich in der Altersgruppe von 25 bis unter 45 Jahren, die rund 39 Prozent des Gesamtanteils ausmacht.
Unter den Ukrainerinnen und Ukrainern habe Berlin demnach bundesweit die niedrigste Arbeitslosenquote. Die Beschäftigungsquote steige zudem besonders bei syrischen Staatsangehörigen und Frauen. Zwei Drittel der Geflüchteten arbeiteten als Fachkraft oder auf höherem Anforderungsniveau. Zudem studierten 1.557 Personen aus Hauptherkunftsländern im ersten Semester. Sie machten damit einen Anteil von 3,4 Prozent aller Erstsemester aus. Diese Zahl habe sich seit 2013 mehr als verdoppelt.
Ausländer tragen Beschäftigungswachstum
Niewiedzial wies darauf hin, dass sich das deutsche Beschäftigungswachstum „zu 100 Prozent durch Menschen aus dem Ausland“ generiere. Dies deckt sich mit Angaben der Bundesagentur für Arbeit. Für die Integrationsbeauftragte zeichneten die Zahlen ein differenziertes Bild eines „doch stark negativen Diskurses“ über Migration: „Ich möchte, dass wir aufhören, negativ über Migration und Flucht zu reden.“ Das Ankommen von geflüchteten Menschen sei „einer der komplexesten gesellschaftlichen Prozesse“.
Negativ bewertete Niewiedzial, dass Leistungen zu Bildung und Teilhabe an Sport und Kultur kaum abgerufen werden. Dazu zählen etwa Mitgliedsbeiträge, die übernommen werden. Allerdings hätten mehr als 14.000 junge Menschen an Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe teilgenommen. Zudem hätten sich die Wartezeiten für Willkommensklassen im vergangenen Jahr entspannt.
Ukrainer: „Einsam und verloren“
Der aus der Ukraine geflüchtete Sviatoslav Shamaida, Vorstand des Vereins „Dream Forgers“ („Träumemacher“), machte noch bestehende Defizite aus. Neu angekommene Ukrainer fühlten sich oft „einsam und verloren“, sagte er. Ein Orientierungskurs könne „keine Freunde finden und keine Familie ersetzen“.
Seit 2018 besitzt das Land Berlin ein „Gesamtkonzept zur Integration und Partizipation Geflüchteter“. Die vorgelegten Zahlen basierten auf Angaben der jeweiligen Senatsverwaltungen. Als Geflüchtete definierte die Studie Personen, deren Aufenthaltsstatus einen humanitären Zweck hat.