Mehr rechtsextreme Gewalt mit mehr Opfern und teilweise deutliche Rückgänge in fast allen anderen Bereichen politischer Kriminalität: In Brandenburg ist die Zahl politisch motivierter Straftaten im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken. Mit insgesamt 5.443 erfassten Fällen wurde 2025 dennoch der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre verzeichnet. Schwerpunkt war mit 3.557 Fällen erneut der Rechtsextremismus. Dies geht aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität im Bundesland hervor, die am Donnerstag in Potsdam vorgestellt wurde.
Innenminister Jan Redmann (CDU) betonte, die erneute Zunahme politischer Gewalttaten beruhe „einzig und allein“ auf rechtsextrem motivierten Vorfällen und sei „kein hinnehmbarer Zustand“. Auch die weiterhin hohe Zahl antisemitischer Straftaten sei „zutiefst beunruhigend und ganz besonders verwerflich“. Um einer wachsenden Radikalisierung junger Menschen entgegenzuwirken und so Straftaten in der Zukunft zu verhindern, sollte ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren eingeführt werden.
Neuer Höchststand bei rechter Gewalt
Die Zahl rechtsextremer Straftaten, darunter vor allem Propagandadelikte wie das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen, ging der Statistik zufolge im Vergleich zu 2024 um knapp zwei Prozent zurück. Zugleich stieg die Zahl rechtsextremer Gewalttaten um knapp 30 Prozent auf 145 erfasste Fälle, ein neuer Höchststand seit 2017, als 124 Fälle bekannt wurden. Die Zahl der Opfer rechtsextremer Gewalt stieg um 19 auf 176. Darunter waren zehn Kinder, 24 Jugendliche und 142 Erwachsene.
Von den im vergangenen Jahr insgesamt 1.069 erfassten, im Internet begangenen Straftaten mit politischer Motivation hatte mit 629 Fällen wie 2024 deutlich mehr als die Hälfte einen rechtsextremen Hintergrund. Bei rassistischen Straftaten wurde eine Zunahme um mehr als 26 Prozent verzeichnet. Dort wurden von 535 erfassten Fällen 514 als rechtsextrem motiviert eingestuft. Weitere Fälle wurden ausländischen und religiösen Ideologien sowie sonstigen Hintergründen zugeordnet.
273 antisemitische Straftaten
Die Zahl antisemitischer Straftaten ging laut Statistik geringfügig um zwei auf 273 Fälle zurück. Mit 235 Fällen wurden rund 86 Prozent dem Rechtsextremismus zugeordnet. Vier Fälle wurden als links und 14 als religiös motiviert eingestuft, zwölf wurden auf „ausländische Ideologie“ und acht auf andere Gründe zurückgeführt.
Insgesamt wurden der Statistik zufolge in Brandenburg im vergangenen Jahr 228 politisch motivierte Gewalttaten verübt, drei mehr als im Vorjahr. In allen Bereichen außerhalb des Rechtsextremismus wurden dort Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich verzeichnet. Die Zahl der Opfer der politisch motivierten Gewaltkriminalität ging um 18 auf 283 zurück.
Links motivierte Straftaten reduzierten sich um 35,5 Prozent auf 756, die Zahl linker Gewalttaten um mehr als 33 Prozent auf 34. Die Zahl der Straftaten mit religiös motiviertem Hintergrund stieg von 52 auf 79, die Zahl religiös motivierter Gewalttaten ging um zwei auf vier zurück. Hintergrund der 2025 insgesamt gesunkenen Vorfälle politisch motivierter Kriminalität sei der Rückgang von Straftaten im Zusammenhang mit Wahlen, hieß es.