Der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ der Verbraucherorganisation Foodwatch geht in diesem Jahr an das Unternehmen LaVita. Bei einer Online-Abstimmung wählten 39 Prozent der mehr als 66.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das hauptsächlich aus Fruchtsaftkonzentrat und zugesetzten Vitaminen bestehende Produkt zur „dreistesten Werbelüge“ des Jahres, wie Foodwatch am Dienstag in Berlin mitteilte. Ein Liter koste 100 Euro. Auf Nachfrage widersprach LaVita der Darstellung von Foodwatch.
LaVita bewerbe das „Mikronährstoffkonzentrat“ als „Naturprodukt“ und „tägliche Basis für unsere Gesundheit“, erklärte Foodwatch. Zudem mache der Saft „Fit fürs Leben“, in den sozialen Medien werde er als „Saubertrank“ vermarktet. Laut Foodwatch besteht das gleichnamige Produkt LaVita zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat, zudem seien 26 isolierte Vitamine und Nährstoffe enthalten, teilweise überdosiert.
Beispielhaft für Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen
Foodwatch bezeichnete Aussagen wie „Saubertrank“ oder „Fit fürs Leben“ als irreführend. Das Unternehmen hat die Werbung mit „Saubertrank“ laut Foodwatch mittlerweile gestoppt. „Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen“, erklärte Alina Nitsche von Foodwatch. Der Markt für Lebensmittel mit Vitaminzusatz und Nahrungsergänzungsmittel boome und werde kaum kontrolliert.
Auf Nachfrage erklärte LaVita, dass das Unternehmen „jede sachliche, faktenbasierte Auseinandersetzung“ begrüßen würde. Eine Reduktion auf „plakative Schlagworte“ oder eine Bewertung mit „falschen Behauptungen“ sei jedoch problematisch. „So werden Vorwürfe konstruiert, die schlicht und einfach falsch sind“, erklärte ein Sprecher.
Keine Werbung mit Heil- oder Gesundheitsversprechen
Den Spruch „Fit fürs Leben“ verwende das Unternehmen unter Beachtung der europäischen Health-Claims Verordnung und gesetzlicher Regelungen. Er sei zudem kein Heil- oder Gesundheitsversprechen. Auch sei die Angabe eines Literpreises irreführend: Ein Liter reiche für rund drei Monate, eine Portion koste einen Euro.
Nicht alle der verwendeten Mikronährstoffe stammten aus natürlichen Quellen, erklärte LaVita. Es werde transparent kommuniziert, dass das Produkt aus „70 natürlichen Zutaten“ sowie Vitaminen und Spurenelementen bestehe. „Viele dieser Mikronährstoffe stammen ebenfalls aus natürlichen Quellen“, hieß es. Auf Konservierungs-, Farb- und Füllstoffe werde verzichtet. „Natürlicher“ könne ein solches Produkt nicht hergestellt werden.
Mango-Matcha-Joghurt mit 0,1 Prozent Matcha
Neben LaVita waren vier weitere Produkte für den Negativpreis nominiert. Mit 21,9 Prozent belegte das „Airfryer Backin“ Backpulver von Dr. Oetker den zweiten Platz. Laut Foodwatch backe das Produkt wie normales Backpulver, koste aber dreimal so viel. Der Bio-Mango-Matcha-Joghurt von Andechser Natur wurde auf den dritten Platz gewählt (20,8 Prozent). Er enthalte nur 0,1 Prozent Matcha, die grüne Farbe komme durch Algenpulver zustande.
Der „Goldene Windbeutel“ wurde zum 15. Mal verliehen. Mit der Vergabe solle auf „Täuschungstricks im Supermarkt“ aufmerksam gemacht werden.