Bildungsminister wollen KI-Kompetenzen und Grundbildung stärken
Berlin (epd).

Die Bildungsministerinnen und Bildungsminister der Bundesländer haben zwei Kernaspekte neu beschlossen: Mehr KI-Kompetenzen vermitteln und mehr Menschen mit Grundbildungsbedarf erreichen. Die derzeitige Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und bayerische Kultusministerin, Anna Stolz (Freie Wähler) sagte nach Abschluss der Konferenz am Freitag in Berlin, Schülerinnen und Schüler müssten wissen, wie sie die Künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen, aber auch die Ergebnisse kritisch bewerten können.

Stolz sagte, Sorge bereite, dass rund jeder fünfte Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren in Deutschland über geringe Lese- und alltagsmathematischen Kompetenzen sowie niedrige Problemlösefähigkeiten verfüge. Die sechs bestehenden Kompetenzbereiche „Bildung in der digitalen Welt“ blieben erhalten und würden unter dem Blickwinkel der KI erweitert. Dazu gehörten etwa der transparente Umgang mit KI-generierten Beiträgen, Datenschutz und ethische Fragen sowie der Umgang mit Deepfakes.

Im Mittelpunkt stünden vier Perspektiven, hieß es. Dazu gehöre, mit KI bewusst umzugehen, KI kreativ anzuwenden, KI gezielt einzusetzen und KI mitzugestalten. Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) sagte, KI werde eine wichtige Rolle „im Morgen und Übermorgen“ der Schülerinnen und Schüler spielen. Es sei daher Aufgabe der Bildung, KI-Kompetenz an Schulen zu vermitteln.

„AlphaBündnis“ folgt auf „AlphaDekade“

Die Bildungsministerkonferenz und das Bundesbildungsministerium beschlossen zudem ein „Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung 2027-2035“ („AlphaBündnis“). Damit soll geringen Lese- und alltagsmathematischen Kompetenzen sowie niedrigen Problemlösefähigkeiten entgegengewirkt werden. Stolz sagte, Grundbildung „ist und bleibt eine Daueraufgabe“. Das Programm soll Anfang 2027 starten und nahtlos an die „Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ von 2016 bis 2026 anknüpfen.

Stolz erklärte, diese „AlphaDekade“, für die das Bundesbildungsministerium rund 180 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatte, habe regionale Netzwerke aufgebaut und Lernangebote etwa in Volkshochschulen und an den Arbeitsplatz gebracht. Die Erfahrungen zeigten, dass vertraute Menschen und Orte den Zugang zu Bildung erleichtern und lebensnahe Themen die Lernmotivation fördern können. Beim „AlphaBündnis“ liege ein Augenmerk auf jungen Erwachsenen, die beim Übergang in Ausbildung und Beruf Unterstützung beim Erwerb grundlegender Kompetenzen benötigen.

Negative Auswirkungen geringer Grundbildung

Eine vom Bildungsministerium geförderte Sonderauswertung der OECD-Studie PIAAC zeige die Auswirkungen geringer Grundbildung, hieß es. Demnach fühlten sich 61 Prozent der Erwachsenen mit geringen Lesekompetenzen politisch selbstwirksam, im Vergleich zu 83 Prozent der Erwachsenen mit höheren Lesekompetenzen. Auch bewerteten Menschen mit geringer Lesekompetenz ihre Gesundheit um 21 Prozentpunkte ungünstiger als die Vergleichsgruppe.

Die Bildungsministerkonferenz ist eine von drei Teilkonferenzen der Kultusministerkonferenz. Sie soll den Angaben zufolge unter anderem die Qualitätsstandards in Schule und Berufsausbildung sichern und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung fördern.

Von Jonas Grimm (epd)