Sozialverband in Hamburg kritisiert geplante Wohngeldreform
Hamburg (epd).

Der Sozialverband (SoVD) in Hamburg warnt vor den Folgen einer Wohngeldreform. Die vom Bund geplante Reform werde vor allem für Familien, Seniorinnen und Senioren, Studierende und Alleinerziehende mit kleinen Einkommen negative Folgen haben, erklärte der Hamburger SoVD-Landesverband am Montag laut Mitteilung. Vorständin Sally Peters forderte von der Politik mehr Zugeständnisse für vulnerable Gruppen: „Wohnen könnte sonst noch mehr Menschen in Armut treiben“, sagte sie. Die Reform könnte für ein Drittel der Betroffenen „existenzbedrohend werden“.

Zahlen des Statistikamts Nord zufolge erhielten Ende vergangenen Jahres 26.970 Hamburger Haushalte einen Mietzuschuss im Rahmen des Wohngeldes. Ohne diese Unterstützung müssten die betroffenen Haushalte durchschnittlich 41 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen, mit Wohngeld liegt die Belastung bei rund 21 Prozent.

Der SoVD Hamburg kritisierte, für etwa ein Drittel der knapp 27.000 Haushalte könnte es in Zukunft gar keine Unterstützung mehr geben. Und auch diejenigen Haushalte, die weiterhin Wohngeld beziehen, müssten mit Abstrichen rechnen: „Hamburg wird insgesamt von Mietstufe VI auf V heruntergesetzt, damit reduziert sich die Höhe der Unterstützung“, sagte Peters.

Investieren statt kürzen

Statt zu kürzen, müsse investiert werden, erklärte die Vorständin. „Hamburg braucht jährlich wenigstens 5.000 neue Sozialwohnungen. Ich denke aber auch an mehr Realisierungen im Hamburg-Standard und flexiblere Baumodule.“ Dazu brauche es „verschlankte Verwaltungsabläufe und eine schnellere Bearbeitung von Anträgen“. Dafür müsse sich die Politik in Hamburg, aber auch die Bundespolitik in Berlin „sehr viel stärker positionieren“.

Der „Hamburg-Standard“ soll den Wohnungsneubau um über ein Drittel günstiger machen. Baukosten ließen sich mit ihm um bis zu 2.000 Euro brutto pro Quadratmeter Wohnfläche senken, hieß es dazu im vergangenen Jahr von der Wohnbehörde.

Auch der Mieterverein zu Hamburg kritisiert die geplante Reform. Seine Mitglieder sowie alle Mietenden in der Stadt sollten sich an die Hamburger Bundestagsabgeordneten wenden und diese auffordern, die geplante Wohngeldreform im Bundestag zu stoppen, erklärte der Verein am Freitag.