Die Eigenanteile für Pflegbedürftige in stationären Einrichtungen steigen weiter. Es gebe „dringenden Handlungsbedarf für eine strukturelle Reform der Pflege und eine nachhaltige Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung“, teilte die Krankenkasse AOK Nordost am Mittwoch in Schwerin mit. Die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bewohner liegt demnach nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung inzwischen bei 2.205 Euro pro Monat.
Das seien 202 Euro mehr als 2024. Eine Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeige, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz in MV Ende 2025 erstmals über 4.700 Euro pro Monat lagen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 4.706 Euro zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.518 Euro.
955 Euro Zuzahlung für Pflege
Zusätzlich hätten die Bewohnerinnen und Bewohner von der Pflegeversicherung durchschnittlich 919 Euro pro Monat für ihre pflegebedingten Eigenanteile in Form der nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge erstattet bekommen. Durchschnittlich 955 Euro mussten sie selbst für die Pflege zuzahlen. Hinzu kamen im Schnitt 874 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 377 Euro für Investitionskosten. Daraus ergibt sich nach Abzug der Zuschläge eine durchschnittliche Gesamtbelastung von 2.205 Euro pro Monat.
Die sei ein Betrag, der häufig deutlich über der verfügbaren Rente liege, hieß es. Die durchschnittliche Altersrente nach 35 Versicherungsjahren betrug in MV Ende 2024 laut Rentenatlas 1.640 Euro. Die Folgen seien bereits heute deutlich sichtbar: Rund 9.740 Menschen, die in Pflegeeinrichtungen versorgt werden in Mecklenburg-Vorpommern, erhielten bereits 2024 Hilfe zur Pflege, weil Einkommen und Vermögen nicht ausreichten, um die Pflegekosten zu tragen.
Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen machen hohen Anteil aus
Für viele Betroffene sei kaum nachvollziehbar, wie sich die hohen Eigenanteile zusammensetzen. Neben dem pflegebedingten Eigenanteil und den Kosten für Unterkunft und Verpflegung spielen insbesondere die Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen eine zentrale Rolle. Allein dieser Kostenblock habe den Angaben zufolge im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern bei durchschnittlich 377 Euro pro Monat gelegen. „Pflegebedürftige finanzieren damit einen erheblichen Teil der baulichen Infrastruktur der Pflegeheime, obwohl diese zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehören. Diese Kosten dürfen nicht länger den Menschen im Pflegefall aufgebürdet werden“, erklärte Jens Kreutzer, Fachbereichsleiter Pflege-Verträge bei der AOK Nordost.