Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte verleiht am Dienstag zum fünften Mal den Preis „Verantwortung - damals und heute“ in Gedenken an Esther Bejarano. Den mit 2.000 Euro dotierten Hauptpreis erhält Holger Artus, wie das Bezirksamt Hamburg-Mitte am Freitag mitteilte. Der Förderpreis in Höhe von 500 Euro geht an die Initiative „Omas gegen Rechts Süd“. Die Preisverleihung am Dienstag findet um 19.30 Uhr im Metropolis Kino im Rahmen der „Woche des Gedenkens Hamburg-Mitte“ statt.
Mit der Auszeichnung von Artus würdige die Bezirksversammlung sein langjähriges, unabhängiges Engagement in der lokalen Erinnerungsarbeit. Seine Arbeit setze bewusst im unmittelbaren Lebensumfeld an: in Straßen und Stadtteilen, dort, wo Menschen während des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet worden seien. Mit Nachbarschaftsbriefen, biografischen Recherchen, Stolperstein-Initiativen und Gedenkaktionen bringe Artus Geschichte zurück in den Alltag. Ein besonderer Fokus seiner Arbeit liege auf bislang wenig beachteten Opfergruppen.
„Omas“ bringen Themen in Schulen
Die Initiative „Omas gegen Rechts Süd“ engagiere sich in der Gedenkarbeit und verbinde diese mit einem klaren Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit. Mit Veranstaltungen, Mahnwachen und Bildungsangeboten - insbesondere für junge Menschen - schaffe sie Räume für Auseinandersetzung und Haltung. Sie bringe historische Themen in Schulen, Stadtteile und an Orte der Verfolgung und stelle dabei stets die Frage nach der Bedeutung für die Gegenwart.
Der Förderpreis werde die Umsetzung einer geplanten Veranstaltung zur nationalsozialistischen „Euthanasie“ im ehemaligen Kinderkrankenhaus Rothenburgsort unterstützen. In Vorträgen und einer anschließenden Diskussion werde auch der Bogen zur Gegenwart geschlagen, insbesondere mit Blick auf aktuelle rechte Positionen zum Thema Behinderung, hieß es.
Mit dem Preis „Verantwortung - damals und heute“ werden laut Bezirksamt herausragende zivilgesellschaftliche Initiativen und Einzelpersonen gewürdigt, die sich in besonderer Weise für Erinnerungskultur, Demokratieförderung sowie gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung engagieren. Esther Bejarano (1924-2021) war eine deutsche jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, die sich als Sängerin und Schriftstellerin gegen Rechtsextremismus engagierte.