Die Krankenkasse DAK sieht Pflegearmut in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Fast jede zweite (49 Prozent) pflegende Person in Deutschland erlebt einer Umfrage zufolge Pflegearmut bei sich oder im persönlichen Umfeld, wie die DAK am Donnerstag in Hamburg mitteilte. In der Gesamtbevölkerung seien es 31 Prozent. DAK-Chef Andreas Storm forderte von Bund und Ländern eine umfassende Pflegereform. Es gelte zu vermeiden, dass die Pflege im Heim für die Mehrheit der Betroffenen zur Armutsfalle wird. Die Umfrage führte das Institut für Demoskopie Allensbach für den neuen Pflegereport der DAK durch.
Ganz wichtig bei einer Pflegereform sei die Begrenzung der explodierenden Heimkosten, damit Pflege für Bewohnende und Angehörige nicht weiter zur Armutsfalle werde, erklärte Storm. Der dramatische Anstieg bei den Ausgaben zur Hilfe zur Pflege verschärfe darüber hinaus die Finanzkrise der kommunalen Haushalte massiv, sagte der DAK-Chef.
Zwei Drittel empfinden Situation in der Pflege als schlecht
Eine Sonderanalyse für den Report habe ergeben, dass zwei Drittel der Befragten die Situation in der Pflege als schlecht empfinden, informierte die DAK. 50 Prozent erwarten laut der Analyse eine weitere Verschlechterung. Eine umfassende Reform des Pflegesystems halten 69 Prozent für notwendig. Für eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Pflegeversorgung wäre jeder zweite Befragte bereit zu Einschnitten. Kürzungen beim Pflegegeld halten 67 Prozent für inakzeptabel.
61 Prozent halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen für unvermeidlich. 50 Prozent erwarteten deutlich steigende Pflegebeiträge, weitere 36 Prozent immerhin moderat steigende Beiträge, hieß es. 51 Prozent hielten höhere Beiträge für akzeptabel, sofern der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit komplett übernimmt.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, bis Mitte Mai einen ersten Entwurf für eine Reform der sozialen Pflegeversicherung vorzulegen.