Für das Günter Grass-Haus in Lübeck ist es eine Sensation: Das Museum konnte im vergangenen Jahr rund 800 Objekte aus dem Nachlass seines berühmten Namensgebers, dem Schriftsteller Günter Grass (1927-2015), ankaufen. Bislang habe das Museum über keine persönlichen Gegenstände von Grass verfügt, sondern lediglich über Manuskripte und bildkünstlerische Arbeiten, sagte der Direktor des Günter Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa, laut Mitteilung des Museums am Mittwoch. Die Gegenstände, darunter Arbeitsmaterialien, Werkzeuge und Bücher, sollen 2027 anlässlich des 100. Geburtstags des Literaturnobelpreisträgers ins Museum einziehen.
Die Exponate umfassen 30 Jahre des literarischen und bildkünstlerischen Schaffens des Schriftstellers und Malers. In den vergangenen Monaten wurden sie digitalisiert. So können auch internationale Wissenschaftler das Werk von Günter Grass erforschen.
Streichhölzer als Lesezeichen
In vielen Büchern aus Grass' Privatbesitz sind persönliche Widmungen anderer Autorinnen und Autoren wie Salman Rushdie oder John Irving enthalten, sagte Thomsa. Günter Grass habe häufig Textstellen markiert und abgebrannte Streichhölzer als Lesezeichen benutzt, die sich noch immer in den Büchern befinden. „Dadurch lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf sein eigenes Schaffen ziehen“, ist sich der Museumsdirektor sicher.
Der Nachlass des Schriftstellers befand sich bis vor kurzem in seinem Privathaus in Behlendorf, rund 25 Kilometer von Lübeck entfernt. Dort lebte Grass mit seiner Frau Ute von 1986 bis zu seinem Tod 2015. Inzwischen steht die kleine Villa mit dem angrenzenden Stallgebäude, das Grass als Bibliothek und Atelier nutzte, für 1,6 Millionen Euro zum Verkauf.
Grass hatte sich in seinem Testament einen öffentlichen Träger für sein Privathaus gewünscht. Die Lübecker Bürgerschaft stimmte im vergangenen Jahr aus Kostengründen gegen eine Übernahme.