Mit den gestiegenen Temperaturen nimmt auch die Gefahr von Zeckenbissen aktuell zu. Die winzigen Spinnentiere können Krankheiten übertragen. Fünf Antworten auf die wichtigsten Fragen.
1. Welche Krankheiten können nach Zeckenbissen auftreten?
In Deutschland ist der Holzbock die häufigste Zeckenart. Er überträgt Borreliose (durch Bakterien) und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, durch Viren). Auch in Niedersachsen gibt es seit 2025 zwei FSME Risikogebiete, den Landkreis Emsland und den Landkreis Celle. Das Robert-Koch-Institut liefert auf einer Karte einen bundesweiten Überblick. Vor einigen Jahren sei die Gefahr noch auf Süddeutschland beschränkt gewesen, heißt es auf der Internetseite des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. Es hänge unter anderem mit dem Klimawandel zusammen, dass inzwischen auch die nördlichen Regionen für Zecken einen attraktiven Lebensraum bieten.
Wie die Apothekerkammer Niedersachsen am Montag erläuterte, ist nur ein Teil der Zecken mit Krankheitserregern infiziert. Durch eine Infektion mit dem FSME-Virus könne eine Hirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündung auftreten und zu dauerhaften Spätfolgen wie Lähmungserscheinungen oder im Extremfall zum Tod führen. Die über Bakterien übertragene Borreliose könne das Nervensystem, die Haut oder die Gelenke befallen und zum Beispiel Seh- oder Hörstörungen, Lähmungen oder eine Entzündung des Herzens auslösen.
Wann und wo besteht die Gefahr?
Zecken sitzen im Gras und auf Blättern. Sie erkennen ihre Opfer an Erschütterungen, Körperwärme und Duftstoffen, informiert das Niedersächsische Landesgesundheitsamt. Vorbeikommende Menschen und Tiere streifen sie durch Berührung ab. Die Spinnentiere wandern dann in Körperregionen wie Kniekehle, Leistenbeuge, Achselhöhle oder den Haaransatz, an feuchtwarme Stellen, an denen sie gut zustechen können.
Wie kann ich mich schützen?
Die Experten raten zur Vorbeugung. So sollte möglichst helle Kleidung getragen werden, auf der die Parasiten schnell zu erkennen sind. Die Kleidung sollte den Körper möglichst bedecken, auch festes Schuhwerk sei sinnvoll. Zeckenabweisende Hautschutzmittel haben laut Landesgesundheitsamt nur eine zeitlich begrenzte Wirksamkeit. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten der Körper und die Kleidung gründlich nach Zecken abgesucht werden. Gegen die Erkrankung FSME kann man sich zudem durch eine Impfung vorbeugend schützen.
Was tue ich nach einem Biss?
Die Apothekerkammer Niedersachsen rät: „Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie so früh wie möglich entfernt und sicher entsorgt werden.“ Als Hilfsmittel eignen sich eine Zeckenkarte, Zeckenzange oder ein Zeckenhaken. Sofern diese nicht zur Hand sind, geht auch eine Pinzette. Ist auch diese nicht zur hand, sollte das Tier schnellstmöglich mit den Fingernägeln entfernen, um den Übergang von Krankheitserregern zu verhindern. Dabei sollten die Zecken aber nicht gequetscht werden. Davon, die Parasiten mit Öl, Nagellack oder Klebstoff zu bestreichen, wird ebenfalls dringend abgeraten.
Während FSME-Viren sofort beim Stich übertragen werden, erfolge die Übertragung von Borrelien im Allgemeinen erst nach mehreren Stunden, heißt es von der Apothekerkammer. Das Risiko einer Infektion steigt, je länger der Parasit sich in der Haut seines Wirts festgebissen hat.
Borreliose ist nicht immer leicht zu diagnostizieren. „Das häufigste Krankheitsbild ist dabei die sogenannte Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung meist rund um die Einstichstelle, die einige Tage und manchmal Wochen nach einem Zeckenstich auftreten kann“, erläutert die Apotherkerkammer.
Wann sollte ich mich behandeln lassen?
Die Apothekerkammer empfiehlt, die Einstichstelle zu desinfizieren, zu markieren und zu fotografieren sowie das Datum des Stiches im Kalender einzutragen. Betroffene sollten zudem ihren Tetanus-Schutz überprüfen, weil beim Entfernen kleine Verletzungen entstehen könnten, die eventuell eine erneute Impfung sinnvoll machten. Sie sollten zudem die Stelle in den folgenden Wochen beobachten. Träten Symptome wie Fieber, Lymphknotenschwellungen, neurologische Beschwerden oder eine Wanderröte auf, sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden. Die Ärztin oder der Arzt entscheide dann, ob aufgrund der Symptome ein Antibiotikum gegen Borreliose gegeben werden muss. Die durch FSME-Viren verursachten Erkrankungen könnten nur symptomatisch behandelt werden.