Neubau und Frühjahrsputz: Nistkästen jetzt vorbereiten
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Neubau und Frühjahrsputz: Nistkästen jetzt vorbereiten
Bremerhaven, Hamburg (epd).

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) empfiehlt, jetzt alte Nistkästen zu reinigen und neue aufzuhängen. Bei der milden Witterung, die in den kommenden Tagen angekündigt ist, beginnen die ersten Vögel nach Angaben des Bremerhavener BUND-Geschäftsführers Bernd Quellmalz frühzeitig mit dem Nestbau. Deshalb sei jetzt die richtige Zeit, ihnen Nisthilfen anzubieten. Was dabei wichtig ist:

Natürliche Nistplätze verschwinden

Die meisten Vögel bauen als sogenannte Freibrüter wie etwa Amseln, Buchfinken oder Rotkehlchen Nester in Sträuchern, Bäumen oder Hecken. Andere Arten sind aber laut BUND auf natürliche Hohlräume angewiesen, die zusätzlichen Schutz bieten und in denen sie ihr Nest anlegen können. Diese als Höhlenbrüter bezeichneten Vogelarten wie Meisen, Kleiber, Baumläufer, Stare und Spatzen besiedeln unter anderem Aushöhlungen in Bäumen oder auch Gebäudenischen, die im städtischen Bereich aber zunehmend verloren gehen.

Ersatz durch Nisthilfen

Nistkästen sind da eine willkommene Möglichkeit, der Wohnungsnot der Vögel entgegenzuwirken. „In Gärten und auf Balkonen helfen künstliche Nisthilfen Höhlenbrütern, ihre Jungen sicher vor Feinden aufzuziehen“, erläutert Quellmalz. Aber auch in Wäldern seien Nistkästen sinnvoll. „Dort bieten sie Ausweichmöglichkeiten, da oftmals kaum noch alte und morsche Bäume vorhanden sind.“

Wo aufhängen?

„Nistkästen sollten nicht in die pralle Sonne und nicht zur Wetterseite, also dem Wind und Regen entgegen, gehängt werden“, rät Quellmalz. „Am besten hängen sie in drei bis vier Meter Höhe, mit dem Flugloch nach Süden oder Osten.“ Februar sei mit die beste Zeit, alte Nistkästen mit Handfeger und Bürste zu reinigen und das Nestmaterial zu entfernen. Bei starker Verschmutzung mit klarem Wasser ausspülen. „Auf keinen Fall sollten dabei Chemikalien verwendet werden“, erklärt der BUND-Sprecher. „Zum eigenen Schutz sind bei der Reinigung Handschuhe sinnvoll. Das Nistmaterial gehört wegen der Vogelflöhe in den Restmüll.“

Was aufhängen?

Nisthilfen lassen sich gut selbst bauen. Anleitungen finden sich im Internet, beispielsweise auf der Seite des BUND unter https://s.epd.de/3qtk . „Wer aber nicht gerne bastelt, greift am besten auf fertige Nistkästen vom Fachhandel zurück“, sagt Quellmalz. „Empfehlenswert sind Holzbetonkästen. Sie sind besonders haltbar, bieten ausreichend Platz und sind einfach zu reinigen.“ Quellmalz betont: „Die Vögel brauchen auch einen geeigneten Lebensraum mit Versteckmöglichkeiten und Nahrungsquellen.“ Der BUND bittet daher darum, Gärten naturnah mit heimischen Bäumen, Sträuchern und Stauden zu gestalten.

Nistkasten ist nicht gleich Nistkasten

Verschiedene Vogelarten haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Unterkunft. Die Art der Höhle ist somit auch ein entscheidendes Kriterium dafür, welche Tiere man damit anlocken kann. Es gibt unter anderem Voll-, Halb- und Nischenbrüterhöhlen.

Viele verschiedene Vogelarten nutzen Vollhöhlen, etwa Kleiber, Trauerschnäpper, Stare, Mauersegler, Meisenvögel (Kohl-, Blau-, Sumpf-, Tannenmeise) und Sperlinge (Haus-, Feldsperling). Dabei handelt es sich um einen geschlossenen Kasten mit einem Einflugloch, das sich in der Größe unterscheiden kann. Sie ersetzen Spechthöhlen, in die die Vogelarten in naturnahen Wäldern eigentlich als Folgenutzer einziehen würden.

Stiftung: Finger weg von Plastik-Nistkästen

Wie die Nistkästen aussehen, ist den Vögeln laut der Deutschen Wildtier Stiftung völlig egal. Wichtig seien jedoch „naturbelassene Materialien ohne Chemie“. „Nistkästen aus Holz isolieren vor Hitze und Kälte und können - je nach Vogelart - von innen mit Gräsern, Moos oder Lehm in ein gemütliches Nest verwandelt werden“, rät die in Hamburg ansässige Stiftung. Auch Holzbeton sei „empfehlenswert“. Doch „Finger weg von Häuschen, die aus Kunststoff gefertigt sind“, rät Ornithologin Lea-Carina Mendel. Sie seien nicht atmungsaktiv, so könne sich Feuchtigkeit im Inneren bilden. „Dann verschimmeln die Nester“, warnt die Vogelkundlerin, die noch auf einen zweiten Nachteil hinweist: „Diese Nistkästen kühlen nachts stark aus und an heißen Tagen staut sich die Hitze im Inneren.“

Copyright: epd-bild/Jens Schulze

Von Dieter Sell (epd)