KI verändert zunehmend die Arbeitswelt. Das hat auch Einfluss auf die Berufswahl junger Menschen. Die Generationen Z und Alpha müssen sich überlegen, welche Jobs künftig gefragt sind - und welche Kompetenzen man dafür mitbringen muss. Ein Leitfaden für die Berufsplanung.
Helfen KI-Systeme bei der Berufsorientierung?
Im Team mit einer Maschine zu arbeiten - das ist offenbar kein Problem für Jugendliche: ChatGPT ist der JIM-Studie 2025 zufolge mit Abstand das wichtigste KI-Tool für Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland. Die Bots finden auch Antworten auf die Frage „was soll ich werden?“. Doch, wie generell bei der Informationssuche, gilt: Je unpräziser die Anfrage ist, desto allgemeiner sind die Vorschläge.
Die Bundesagentur für Arbeit hat mit „Check-U“ einen kostenlosen Onlinetest erstellt, der für die Analyse ebenfalls KI nutzt. Am Ende macht das System mehrere Vorschläge zu Ausbildungsberufen oder Studienfächern. Um die Entscheidung zu erleichtern, wird ein persönliches Gespräch mit einem Berufsberater empfohlen. Der Experte soll dabei helfen, das Testergebnis einzuordnen. Holger Habenicht, Sprecher der Agentur für Arbeit Hannover, hält das auch im digitalen Zeitalter für einen wichtigen Baustein bei der Berufsfindung: „Oft ergeben sich im Gespräch noch neue Aspekte und es wird auch konkreter, was erwartet beziehungsweise gewünscht wird“, sagt Habenicht.
Wie sind die Arbeitsmarktchancen für die Generationen Z und Alpha?
Bis 2030 gehen über eine Million Arbeitskräfte aufgrund des Renteneintritts verloren. Das prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus Nürnberg. „Aufgrund dieser demografischen Lücke haben jüngere Generationen gute Arbeitsmarktchancen“, sagt Gerd Zika, beim IAB zuständig für den Bereich Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen. KI dämpft aus seiner Sicht derzeit nicht die Chancen für Berufseinsteiger: „Dort, wo KI Aufgaben übernimmt, füllt sie auch Lücken, die aufgrund von Personalmangel nicht geschlossen werden können“, erläutert der Wissenschaftler.
Die Zahl der arbeitslosen Akademiker steigt - lohnt sich ein Studium?
Die Arbeitslosenzahl unter Hochschulabsolventen hat laut der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 3 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Wissenschaftler Zika geht davon aus, dass diese Entwicklung eher den multiplen Krisen in Politik und Wirtschaft geschuldet ist, als der Entwicklung von KI. „Grundsätzlich bietet ein Studium bessere Karrierechancen“, sagt er.
Welche Branchen sind zukunftssicher?
„KI führt dazu, dass sich Tätigkeiten verändern, sie wird aber nicht jeden Job ersetzen - vor allem nicht im Dienstleistungssektor“, betont Gerd Zika vom IAB. Gastronomie, Handel, Medizin und Pflege seien Branchen, in denen menschliche Arbeitskraft weiter dominieren werde. Das gelte auch für den Bereich Bildung und Erziehung. „Auch im Finanzsektor beobachten wir derzeit wieder eine Entwicklung hin zu mehr Beschäftigung“, sagt Zika. Aus seiner Sicht gibt es kaum Berufe, die überflüssig werden.
Was ist entscheidend für eine erfolgreiche Joblaufbahn?
Neugier, Flexibilität und Offenheit für neue Technologien sind laut Arbeitsmarktforschern gute Grundvoraussetzungen, um auf dem Arbeitsmarkt im digitalen Zeitalter Fuß zu fassen. Wer KI smart anwenden kann, ist im Vorteil. Doch für den Arbeitsmarktexperten Zika ist vor allem etwas anderes entscheidend: „Wer heute vor der Frage steht, was er für einen Beruf anstreben soll, sollte vor allem danach gehen, was ihn wirklich interessiert. Leidenschaft ist der Schlüssel zum Erfolg.“