Angesichts des bundesweiten Tages der Bahnhofsmissionen an diesem Sonnabend (18. April) haben die Einrichtungen in Niedersachsen und Bremen auf ihre vielfältige unterstützende Rolle hingewiesen. Viele Menschen fänden dort nicht nur niedrigschwellige Hilfen, sondern auch Halt und einen Schutzraum auf Zeit, sagte Martin Weimann von der Caritas des katholischen Bistums Hildesheim am Freitag. Er ist Beauftragter des Bistums für die Bahnhofsmissionen in beiden Bundesländern. Die Caritas und die Diakonie betreiben dort zusammen 16 Bahnhofmissionen.
Die Einrichtungen befinden sich in Braunschweig, Bremerhaven, Bremen, Celle, Emden, Göttingen, Hameln, Hannover, Hildesheim, Leer, Lehrte, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück, Uelzen und Kreiensen bei Northeim. In Göttingen feiert die Bahnhofsmission am Wochenende außerdem ihr 50-jähriges Bestehen. Bei einem Festakt am Sonnabend werden dort unter anderem langjährige ehrenamtliche Helfer mit dem Kronenkreuz der Diakonie Deutschland ausgezeichnet.
Viele Menschen mehrfach belastet
Im vergangenen Jahr haben den Angaben zufolge in Niedersachsen und Bremen rund 93.000 Menschen die Missionen aufgesucht. In 8.525 Fällen konnten den Menschen andere Hilfsangebote weitervermittelt werden. Viele seien mehrfach belastet, hätten soziale, finanzielle und psychische Schwierigkeiten, sagte Weimann. In die Bahnhofsmissionen kamen überwiegend Männer im Alter von 27 bis 65 Jahren.
Die erste Bahnhofsmission der heute bundesweit rund 100 Bahnhofsmissionen wurde im Herbst 1894 am Schlesischen Bahnhof, dem heutigen Ostbahnhof, in Berlin gegründet. Junge Frauen aus den Dörfern strömten Ende des 19. Jahrhunderts in die wachsenden Metropolen, um Arbeit und ein besseres Leben zu finden. Doch Kriminelle machten sich die Unwissenheit der Mädchen zunutze und lockten sie als rechtlose Arbeitskräfte in Fabriken oder verkauften sie gar als Prostituierte.
Netz von Bahnhofsdiensten
Ab dem 1. Oktober 1894 empfingen dann die Berliner „Freundinnen“ die jungen Frauen direkt am Bahnsteig, berieten sie und besuchten sie später auch in ihren Quartieren. Bald darauf entstand ein Netz von Bahnhofsdiensten, die auch von jüdischen Organisationen oder dem Roten Kreuz angeboten wurden. 1897 öffnete eine Bahnhofsmission in München, schnell folgten weitere Städte.
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