Tiefe Einblicke in das Leben und Wirken des Astronomen und Arztes Wilhelm Olbers (1758-1840) bietet eine Ausstellung, die am Dienstag in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen eröffnet wurde. Dort befindet sich der etwa 4.000 Dokumente umfassende Nachlass des Wissenschaftlers, der im Mittelpunkt der Präsentation steht, wie Kuratorin Maria Hermes-Wladarsch mitteilte.
Olbers war einer der bekanntesten Bremer seiner Zeit. Ihm ist zu verdanken, dass die Stadt um 1800 ein europäisches Zentrum der Astronomie gewesen ist. Als Astronom bereicherte er die Kenntnis des damaligen Sonnensystems um die Entdeckung zweier Kleinplaneten, Pallas und Vesta. Er entdeckte außerdem sechs Kometen und berechnete 18 Kometenbahnen.
Austausch wichtig
Der Astronom formulierte das nach ihm benannte Olberssche Paradoxon, das bis heute als zentrales Problem der kosmologischen Theorie gilt und die Frage nach der Struktur und Endlichkeit des Universums aufwirft. Im Brotberuf wirkte er fast vier Jahrzehnte als Arzt in seiner Heimatstadt und obduzierte mindestens eines der Opfer der Bremer Giftmischerin Gesche Gottfried (1785-1831). „Die Ausstellung zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse nicht isoliert, sondern im Austausch zwischen Individuen, Institutionen und kulturellen Kontexten entstehen“, führte die Historikerin und Kuratorin aus.
Der Nachlass besteht aus handschriftlichen Dokumenten, Briefen, Manuskripten, mathematischen Berechnungen und wissenschaftlichen Skizzen. Er dokumentiert nicht nur die Forschungspraxis von Olbers, sondern auch die Strukturen der wissenschaftlichen Kommunikation jener Epoche. „Die Korrespondenz mit Persönlichkeiten wie Johann Hieronymus Schroeter, Friedrich Wilhelm Bessel, Carl Friedrich Gauß oder Alexander von Humboldt verdeutlicht die Rolle von Netzwerken in der Wissensproduktion der Frühen Neuzeit“, erläuterte Hermes-Wladarsch.