50 Jahre Pauli-Preis: Bremer Kunsthalle präsentiert acht Finalisten
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50 Jahre Pauli-Preis: Bremer Kunsthalle präsentiert acht Finalisten
Bremen (epd).

In der Bremer Kunsthalle konkurrieren acht Künstlerinnen und Künstler in einer Wettbewerbsausstellung um den renommierten „Pauli-Preis“. Mit 30.000 Euro zählt er zu den höchstdotierten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Eine Auswahl ihrer Werke ist von diesem Samstag bis zum 4. Oktober zu sehen. Bereits am 15. September soll die Gewinnerin oder der Gewinner gekürt werden. Der alle zwei Jahre vergebene Preis wird in diesem Jahr zum 50. Mal verliehen.

Die Arbeiten reichen von brachialen Mauern, mit denen Jan Albers aus Düsseldorf den Ausgang versperrt, bis zu feinsten Kugelschreiber-Linien mit denen Caroline Kryzecki aus Berlin großformatige Bilder schafft, „die das Auge verwirren“.

Bücher, die überlebten

Mit der NS-Vergangenheit setzen sich gleich zwei Künstlerinnen auseinander. Annette Kelm aus Berlin hat Buchdeckel von Büchern fotografiert, die von den Nazis als „gefährlich und undeutsch“ verbrannt und vernichtet wurden. Dass diese Bücher „überlebten“ - etwa Werke von Lion Feuchtwanger, Erich Kästner oder Joachim Ringelnatz - sei „ein Triumph“, betont Kelm.

Eine andere Annäherung an die Nazizeit wählt die Berlinerin Anike Joyce Sadiq. Die in Nürnberg lehrende Künstlerin will einen Sandstein-Reichsadler, der bis heute an einem öffentlichen Verwaltungsgebäude prangt, „abhängen, zerschlagen und zu Sand zermahlen“. Das feine Pulver soll anschließend in Sanduhren gefüllt werden - und sein Verrinnen soll an die Vergangenheit erinnern.

Phung-Tien Phan aus Essen schafft in alten Schränke und Kommoden Schreine aus Alltagsgegenständen. Sie sollen „die harte Spannung zwischen Konsumkultur, gesellschaftlichen Ansprüchen und der Realität“ aufzeigen. Um weiche Materialien geht es hingegen Liesl Raff aus Wien. Sie hat aus Latextüchern in Rot- und Lilatönen drei parallele Gänge in einem Ausstellungsraum geschaffen, die Einfluss auf das Raumempfinden der Besucher nehmen sollen.

Der Direktor der Kunsthalle, Christoph Grunenberg, lobte am Freitag die Jury für ihre Auswahl und die Kuratorin Eva Fischer- Hausdorf für ihre Arbeit. Die Ausstellung stehe im Geiste des ersten wissenschaftlichen Direktors der Kunsthalle, Gustav Pauli (1866-1938), an den auch der Preis erinnern soll. Auf seine progressive Sammlungspolitik gehen die berühmtesten Werke aus der Kunsthallen-Sammlung zurück.

Kunstwerk für die Kunsthalle

Getragen wird die Auszeichnung, die bis 2023 „Kunstpreis der Böttcherstraße“ hieß, von einem Stifterkreis, dem Senator für Kultur und der Sparkasse Bremen. Zusammen finanzieren sie die Ausstellung, den Katalog und das Preisgeld. Außerdem bemüht sich der Kreis um den Ankauf eines Werks der jeweiligen Preisträgerin oder des Preisträgers für die Sammlung der Kunsthalle. Zuletzt ging die Auszeichnung an die Künstlerin Gabriele Stötzer aus Erfurt.

Von Jörg Nielsen (epd)