Kirchen in Niedersachsen und Bremen verlieren rund 130.000 Mitglieder
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Kirchen in Niedersachsen und Bremen verlieren rund 130.000 Mitglieder
Hildesheimer Bischof Wilmer: Jeder Austritt schmerzt
Hannover, Osnabrück (epd).

Die Mitgliederzahlen in der evangelischen und katholischen Kirche in Niedersachsen und Bremen gehen weiter zurück. Den sechs evangelischen Landeskirchen und drei katholischen Bistümern gehörten zum Stichtag 31. Dezember 2025 in beiden Bundesländern insgesamt noch rund 4,09 Millionen Menschen an, wie die Kirchen mitteilten. Darunter sind 3,03 Millionen Protestanten und 1,21 Millionen Katholiken. Damit haben die beiden großen Kirchen gegenüber dem Vorjahr rund 130.000 Menschen verloren. Verantwortlich dafür waren vor allem Austritte und Sterbefälle.

Der Anteil der Protestanten in Niedersachsen liegt den Zahlen zufolge mit 2,88 Millionen Mitgliedern aktuell etwa bei rund 35 Prozent. Die Bremische Evangelische Kirche hat aktuell rund 145.000 Mitglieder. Damit ist noch ein knappes Viertel der Bremerinnen und Bremer evangelisch. In den vergangenen zehn Jahren hat die bremische Kirche damit knapp ein Drittel ihrer Mitglieder verloren, im vergangenen Jahr waren es über 6.000. Für die katholische Kirche lassen sich Niedersachsen und Bremen nicht auseinanderrechnen, die Bistümer umfassen beide Länder. Nicht in der Statistik enthalten sind die Freikirchen.

Die größte der fünf niedersächsischen Landeskirchen, die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, verlor rund 67.000 Mitglieder. Ihr gehören jetzt noch 2,09 Millionen Menschen an. Trotz der Verluste bleibt sie die mitgliederstärkste deutsche Landeskirche, knapp vor der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ihr sind rund 1.200 Gemeinden zwischen dem Landkreis Göttingen und der Nordsee angegliedert.

Mitgliederverluste von über drei Prozent

Die Mitgliederzahl in der oldenburgischen Kirche sank um 11.700 auf rund 337.800, die der Landeskirche Braunschweig um rund 10.000 auf 264.300 und die der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer um rund 4.100 auf etwa 146.000 Menschen. Die Landeskirche Schaumburg-Lippe mit Sitz in Bückeburg hatte nach einer Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Ende 2024 rund 43.000 Mitglieder. Quer durch die evangelischen Landeskirchen lag der Mitgliederverlust in Niedersachsen im vergangenen Jahr zwischen 2,7 und 3,7 Prozent. Im Bundesschnitt waren es 3,2 Prozent. Bremen verzeichnete sogar eine Verlustquote von 4,3 Prozent.

Bei den Zahlen zu Austritten und Eintritten sowie Taufen und Sterbefällen gab es unterschiedliche Tendenzen: Oldenburg und Braunschweig meldeten leicht gesunkene Austrittszahlen, in Bremen stiegen sie dagegen. Braunschweig und Bremen verzeichneten mehr Taufen, Oldenburg dagegen weniger. In Oldenburg stieg gegenüber dem Vorjahr auch die Zahl der Eintritte. Insgesamt konnten aber positive Tendenzen den Mitgliederverlust nicht auch nur annähernd wettmachen. In einigen Landeskirchen erreichte die Zahl der Austritte die der verstorbenen Kirchenmitglieder oder überschritt sie sogar.

Auch katholische Bistümer schrumpfen

Auch die katholischen Bistümer in Niedersachsen schrumpfen. Im Bistum Hildesheim sank die Mitgliederzahl um fast 15.000 Personen auf 493.000 Katholiken. Das Bistum Osnabrück verlor rund 11.000 Mitglieder, hier zählen derzeit rund 486.000 Menschen zur Kirche. Der Offizialatsbezirk Vechta des Bistums Münster verkleinerte sich um rund 5.000 Mitglieder auf jetzt 231.000 Katholiken.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, erklärte zu den Zahlen, sie seien „ein Spiegelbild unserer Kirche“. Jeder Kirchenaustritt schmerze, sagte der Hildesheimer Bischof. Er hob das Engagement Ehrenamtlicher hervor, die die Angebote der Kirche überhaupt erst ermöglichten. Trotz aller Umbrüche ermutige er dazu, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sagte er.

Die Mitteilung der EKD verwies auf die zahlreichen Angebote der Kirche für Menschen in unterschiedlichen und oft schwierigen Situationen, etwa in der Seelsorge, in der Pflege und in Beratungsstellen. Mit der Kirchenmitgliedschaft trügen Christinnen und Christen dazu bei, dass diese Angebote bestehen können, hieß es.

Von Michael Grau (epd)