Gesundheitsminister will Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr
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Gesundheitsminister will Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr
Polizei erwischte bei Kontrollen mehr als 15.000 Berauschte
Hannover (epd).

Der Vorsitzende der deutschen Gesundheitsministerkonferenz, Andreas Philippi (SPD) aus Niedersachsen, plädiert für eine Null-Promille-Grenze am Steuer. Er halte es „definitiv für ratsam“, nur mit 0,0 Promille Alkohol im Blut am Straßenverkehr teilzunehmen, sagte Philippi der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) mit Blick auf die Verkehrsunfall-Statistik. Unterstützung erhält er dabei aus dem niedersächsischen Innenministerium.

Der bisherige Grenzwert von 0,5 Promille und die Wirkung von Alkohol im Straßenverkehr seien für viele kaum verlässlich einzuschätzen, sagte Philippi. Mit Blick auf die zahlreichen Todesopfer auf deutschen Straßen, die bei Unfällen unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten ums Leben kommen, betonte er: „Jeder Verkehrstote ist ein Toter zu viel.“ Philippi hat seit Januar den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer inne.

Auch Cannabis am Steuer bereitet Sorgen

Sorgen bereitet dem niedersächsischen Gesundheitsminister auch Cannabis im Straßenverkehr: „Berauscht oder betrunken am Straßenverkehr teilzunehmen, muss ein gesellschaftliches Tabu sein“, sagte Philippi.

Das Innenministerium erklärte, die Polizei in Niedersachsen begrüße alle Initiativen, die zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beitragen. Wer Alkohol oder Cannabis konsumiert habe, solle sich zu keiner Zeit hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzen, sagte eine Sprecherin von Innenministerin Daniela Behrens (SPD) in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie bezog sich dabei auf eine Empfehlung des 63. Deutschen Verkehrsgerichtstages 2025 in Goslar, die den Gesetzgeber auffordert, eine „Nulltoleranz“ für den „Mischkonsum“ von Alkohol und Cannabis festzulegen.

Alle 27 Minuten ein Berauschter im Straßenverkehr

Die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit zählt zu den Hauptunfallursachen auf den Straßen, hieß es. Allein im vergangenen Jahr 2025 habe die Polizei in Niedersachsen rund 4.200 Verkehrsunfälle aufgenommen, bei denen Alkohol, Cannabis oder sonstige berauschende Mittel eine maßgebliche Rolle gespielt hätten. Dabei seien acht Personen ums Leben gekommen.

Zudem seien bei Verkehrskontrollen rund 15.300 Menschen betrunken oder berauscht von der Polizei angetroffen worden. Damit sei rechnerisch etwa alle 27 Minuten ein Ereignis registriert worden, bei dem Alkohol oder andere berauschende Mittel eine Rolle im Straßenverkehr gespielt hätten.

Von Michael Grau (epd)