Albrecht-Weinberg-Gefährtin: Erinnerung an Holocaust darf nicht enden
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Albrecht-Weinberg-Gefährtin: Erinnerung an Holocaust darf nicht enden
Leer, Berlin (epd).

Auch nach dem Tod des Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg aus Leer will seine langjährige Mitbewohnerin Gerda Dänekas weiter gegen ein Vergessen der NS-Gräueltaten kämpfen. „Albrecht ist zwar nicht mehr da, aber ich kann nicht sagen 'es muss mal gut sein'“, sagte die 76-Jährige im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Ich kann keinen Schluss-Strich unter die Geschichte ziehen, so wie manche es sich wünschen.“

Albrecht Weinberg starb im Mai im Alter von 101 Jahren. Er hatte gemeinsam mit Dänekas noch über seinen 100. Geburtstag hinaus bei Lesungen und vor Schulklassen über sein Leben berichtet. Am 10. September kommt der Dokumentarfilm „Albrecht Weinberg - Es ist alles in meinem Kopf“ offiziell in die Kinos. Bereits vorher präsentieren ihn unter anderem Dänekas und die Filmemacher Jesko Denzel und Güner Yasemin Balci, die auch Integrationsbeauftragte in Berlin-Neukölln ist, in zahlreichen Städten.

Der Film begleitet Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas in ihrem Alltag und fächert zugleich seine Lebensgeschichte auf. Weinberg wurde als Sohn einer jüdischen Familie 1925 im ostfriesischen Rhauderfehn geboren. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen. Seine Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. Er selbst wanderte in die USA aus, kehrte jedoch 2012 zusammen mit seiner Schwester zurück in seine ostfriesische Heimat. Dort lernte ihn Dänekas zunächst als seine Pflegerin kennen. Nach dem Tod seiner Schwester nahm sie ihn in einer gemeinsamen WG auf.

„Was künftig fehlen wird, ist die direkte Begegnung mit den Zeitzeugen“, sagte Dänekas. Albrecht Weinberg habe mit seiner Persönlichkeit viele, vor allem junge Menschen nachhaltig beeindruckt. Er selbst habe „bis zum letzten Atemzug“ nicht begreifen können, warum seine jüdische Familie allein wegen ihres Glaubens verfolgt und ermordet wurde. „Wir sind keine Verbrecher, wir haben nichts gemacht“, habe er stets gesagt, erläuterte sie und fügte an: „Was soll man darauf antworten?“

Wie Weinberg sei sie besorgt über das Erstarken rechter Parteien in Deutschland, sagte Dänekas. Er war auch dadurch bekannt geworden, dass er sein Bundesverdienstkreuz zurückgab und damit dagegen protestierte, dass vor dem Regierungswechsel in Berlin die Unionsparteien mit den Stimmen der AfD einen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik durchgebracht hatten. Dänekas wandte sich gegen jede Form von Antisemitismus und Menschenverachtung - auch vonseiten islamistischer Extremisten, wie bei dem Anschlag auf den CSD in Berlin. „Ich hoffe, dass die Erinnerungsarbeit, die Herr Weinberg und ich die letzten zehn Jahre lang gemacht haben, doch Früchte trägt und es in die Köpfe der Menschen kommt, was in Deutschland schon einmal passiert ist.“

epd-Gespräch: Karen Miether